Erdbeeren: erfülle dir den fruchtigen Kindertraum am Balkon und im Garten – mit köstlichen Sommerrezepten

Es gibt Früchte, auf die wir das ganze Jahr mit großer Vorfreude warten. Sind sie endlich da, schaffen sie es kaum vom Garten oder Balkon bis in die Küche. Zu verführerisch sind die leuchtend roten Erdbeeren, um ihnen zu widerstehen. Welchen handfesten biologischen Hintergrund ihre Verführungskünste haben erfährst du in diesem Beitrag – genauso wie die spannende Frage, wie dein Erntekorb so voll wird, damit trotz Naschens auf dem Weg noch ausreichend Erdbeeren in der Küche ankommen.

Woher die ERdbeeren kommen

Historische Funde belegen, dass Menschen bereits in der Steinzeit Erdbeeren sammelten und aßen. Die wild wachsenden Walderdbeeren waren klein und aromatisch und unterschieden sich kaum von jenen Früchten, die wir heute bei einem Spaziergang im Wald finden.

Im Mittelalter wurden Erdbeeren gezielt in den Gärten angebaut und vermehrt. Durch die Auswahl geeigneter Pflanzen ließ sich die Erntezeit zwar etwas beeinflussen, die Früchte selbst blieben klein. Der große Umbruch zu den uns heute bekannten, großen Erdbeerfrüchten begann Mitte des 18. Jahrhunderts. Aus Nordamerika kam die winterharte Scharlacherdbeere, aus Chile die großfruchtige Chile-Erdbeere nach Europa. Beide Erdbeeren wurden angebaut, brachten aber kaum Ertrag. Bis – wie so oft – der Zufall zuschlug. In der französischen Bretagne wuchsen beide Erdbeer-Formen in einem Garten nebeneinander. Die aus Chile stammenden Pflanzen waren weiblich und konnten Früchte bilden, wenn sie vom Pollen der Scharlacherdbeere bestäubt wurden. Plötzlich entstanden große, aromatische Früchte. Unsere heutigen Gartenerdbeeren sind eine Kreuzung aus den beiden amerikanischen Erdbeer-Arten. Aufgrund ihrer Größe und ihres Aromas werden sie auch Ananas-Erdbeeren genannt. In den folgenden Jahrhunderten entstanden durch gezielte Kreuzungen und Züchtungen immer neue Erdbeersorten und die Erdbeere trat ihren weltweitenSiegeszug an.

Wie du Erdbeeren anbaust

Erdbeeren kannst du zwar aus Samen ziehen, einfacher ist das Einsetzen von Jungpflanzen. So gehst du vor:

Standort und Vorbereitung

Erdbeeren mögen einen sonnigen und warmen Platz. Da sie anfällig für Pilzkrankheiten sind, ist ein leicht windiger Standort von Vorteil. Feuchte Blätter und Früchte trocknen dort nach einem Regenguss rascher als im windstillen Innenhof. Erdbeeren gedeihen am Boden genauso wie im Hochbeet, Hügelbeet oder Balkonkistchen. Bei wenig Platz sind Stufen-, Vertikal- oder Pyramiden-Hochbeete eine wunderbare Lösung für eine üppige Erdbeer-Ernte. In Senken und Kaltluftseen kann es hingegen zu Frostschäden kommen.

Als Mittelzehrer haben Erdbeeren einen moderaten Nährstoffbedarf. Bereite das Beet mit reifem Kompost und – wenn vorhanden – gut abgelegtem Tiermist vor. Die Erde soll locker und durchlässig sein, Staunässe vertragen Erdbeeren nicht. Lockere einen harten, tonigen Boden durch die Zugabe von Sand auf. Entferne Beikräuter und Wurzelunkräuter tiefgründig, da späteres Hacken die flachwurzelnden Erdbeerpflanzen verletzen könnte.  

Der beste Anbauzeitpunkt

Die beste Anbauzeit für Erdbeerjungpflanzen ist im Sommer, von Juli bis September. Während vor einigen Jahren noch Juli als perfekter Erdbeer-Anbaumonat galt, hat sich der Zeitpunkt aufgrund der häufigen Sommerhitze nach hinten verlagert und liegt nun im August und September. Im Sommer gepflanzte Erdbeeren wachsen gut an und tragen im nächsten Jahr reichlich. Im Frühling gesetzte Erdbeeren liefern etwas weniger Früchte, die Pflanzung ist zu diesem Zeitpunkt aber genauso möglich.

Die richtige Pflanzung

Setze Erdbeeren in der Reihe im Abstand von 20-30 cm. Zwischen den Reihen brauchst du mindestens 50-60 cm, um ausreichend Platz für die Ernte zu haben. Eine gute Alternative sind Doppelreihen. Hier beträgt der Abstand nur 20-30 cm, dafür zur nächsten Doppelreihe 70-90 cm. Im Hochbeet kannst du etwas enger setzen, da du es von allen Seiten gut bearbeiten kannst. Dasselbe gilt für Pflanzpyramiden oder Vertikalbeete, die durch ihren stufenförmigen Aufbau ausreichend Wurzelraum bieten.

Setze Erdbeeren nicht zu tief ein. Das Pflanzenherz – auch Vegetationskegel genannt – darf nicht unter der Erde verschwinden.

Geeignete Mischkulturpartner sind alle Zwiebelgewächse, etwa Knoblauch, Zwiebel oder Lauch.

Welche Erdbeeren es gibt

Den Überblick über Erdbeeren zu gewinnen, ist gar nicht so einfach, da es zahlreiche Erdbeerarten unterschiedlichen Ursprungs und darunter wieder Varietäten gibt. Zudem gibt es ein-, zwei- und mehrmals tragende Arten und Sorten.

Die häufigsten Arten sind die heimische Walderdbeere und die Gartenerdbeere (Ananas-Erdbeere). Daneben gibt es noch Moschuserdbeeren (etwas größer als Walderdbeeren) und Wiesenerdbeeren. Letztere sind eine Kreuzung aus Wald- und Gartenerdbeeren und werden als Bodendecker angebaut.

Verwechslungsmöglichkeiten bestehen mit der Scheinerdbeere, auch indische Erdbeere genannt. Sie wurde im 19. Jahrhundert als Zierpflanze aus China in Europa eingeführt, wo sie auswilderte und mancherorts die heimische Walderdbeere verdrängt. Ihre Früchte schmecken fade und ein wenig schal, größere Mengen verursachen Übelkeit. Optisch unterscheiden sie sich deutlich von essbaren Erdbeeren, da ihre Früchte senkrecht im Blütenkelch nach oben zeigen.

Die besten Erdbeersorten für Garten und Balkon

Träumst du vom prallgefüllten Erdbeerkorb im Juni oder möchtest du lieber über einen längeren Zeitraum immer wieder einige Erdbeeren naschen? Bei geschickter Kombination verschiedener Erdbeersorten – und ausreichend Platz – ist sogar beides möglich. Hier einige besonders köstliche Sorten und ihre Eigenschaften.

Bio-Erdbeere `Lambada`

`Lambada` ist die beste Frühsorte mit reichlich Ertrag. Ihre Ernte beginnt Ende Mai und hat ihren Höhepunkt im Juni. Die zartschmelzende Frucht genießt du am besten frisch und rasch nach der Ernte.

Bio-Erdbeere `Sonata`

Die einmaltragende Sorte `Sonata` hat große, rot leuchtende, sehr aromatische Früchte und trägt etwas später als `Lambada`. Ihre Haupternte findet Mitte/Ende Juni statt.

Bio-Erdbeere `Ostara`

`Ostara` ist eine mehrmals tragende Sorte, die ab Juni bis in den Herbst immer wieder Früchte liefert. Die Beeren sind mittelgroß mit saftigem, mildem Aroma.

Bio-Erdbeere `Mieze Schindler`

Der Name der Erdbeere ist ein Liebesbeweis des Züchters, denn er benannte seine neue Erdbeersorte nach seiner Frau. Die Früchte werden von manchen Liebhabern als die beste Erdbeere beschrieben. Sie sind sehr süß und erinnern im Geschmack an Walderdbeeren. `Mieze Schindler` sind einmaltragend, die Ernte erfolgt im Juni und Juli. Als nicht selbstfruchtbare Sorte brauchen 3-5 Pflanzen je einen Befruchtungspartner. Die Sorte `Ostara` ist dafür ideal.

Bio-Erdbeere `Verbesserte Rügen`

`Verbesserte Rügen` sind Monatserdbeeren, die von Juni bis November durchgehend tragen. Die kleinen Früchte wachsen zahlreich und erinnern geschmacklich an Walderdbeeren. Anders als ihre größeren Verwandten bilden sie keine Ausläufer und werden daher durch Teilung vermehrt – siehe weiter unten.

Bio-Erdbeere `Alexandria`

Auch `Alexandria` ist eine reichtragende Monatserdbeere mit Walderdbeeren-Aroma. Sie trägt von Juni bis November und bildet ein buschiges Blattwerk ohne Ausläufer.

Wie du Erdbeeren pflegst und vermehrst

Erdbeeren sind zwar nicht besonders kapriziös, brauchen für einen guten und regelmäßigen Ertrag aber doch etwas Zuwendung.

Lege ab Mitte Mai eine dicke Mulchschicht aus Stroh oder Miscanthus-Mulch unter und rund um die Erdbeerpflanzen. Vorher bleibt der Boden unbedeckt, damit sich die dunkle Erde schneller erwärmt und das Wachstum der Pflanzen beschleunigt. Sobald Blüten und später Früchte erscheinen, verhindert der Mulch, dass die Früchte auf der Erde liegen und verfaulen. Die helle Mulchfarbe reflektiert das Licht und beschleunigt die Fruchtreife.

Erdbeeren brauchen vor allem während der Fruchtreife viel Wasser, dürfen aber nicht feucht bleiben, da sie sonst von zahlreichen Pilzkrankheiten befallen werden. Ideal ist daher eine bodennahe Tröpfchenbewässerung oder Sickerschläuche, die du unter der Mulchschicht verlegst.

Als Dünger genügt eine einmalige Kompostgabe im Frühling oder etwas Bio-Dünger.

Nach der Ernte ist gute Pflege wichtig, besonders bei einmaltragenden Sorten. Entferne braune oder kranke Blätter regelmäßig.

Erdbeeren bilden Ausläufer, die Kindeln. Diese solltest du regelmäßig von ihren Mutterpflanzen abtrennen, da sie diese schwächen und der Fruchtertrag dadurch abnimmt. Die Jungpflanzen wurzeln sich selbst fest. Wenn du es übersiehst, entsteht auf diese Weise rasch eine dichte und unübersichtliche Erdbeerfläche. Versetze den Kindeln daher an einen passenden Platz mit ausreichend Abstand.

Monatserdbeeren bilden keine Ausläufer. Sie vermehrst du durch Teilung der Mutterpflanzen. Grabe diese samt Wurzelstock aus und teile sie vorsichtig in 2-3 gleich große Stücke, die du im passenden Abstand wieder einpflanzt.

Nach 3-4 Jahren nimmt der Ertrag der Erdbeerpflanzen ab. Wechsle dann den Standort, an den du entweder neue Pflanzen oder die Ableger setzt.

Warum sind Erdbeeren so verführerisch?

Wie eingangs erwähnt, arbeiten Erdbeeren „mit allen Mitteln“, damit wir ihre Früchte rasch verzehren. Sie locken mit leuchtendem Rot und durften so intensiv und aromatisch, dass wir kaum widerstehen können. Diese Verlockungen zielenallerdings weniger auf uns Menschen, sonders auf eine Vielzahl von Tieren ab. Dazu gehören Rotfuchs und Siebenschläfer, Amseln und Rotkehlchen, Weinbergschnecken, Käfer und Tausendfüßler.

Die vielen gelben Punkte der Erdbeerfrucht sind kleine, einsamige Nüsschen – also Samen. Da sie unverdaut wieder ausgeschieden werden, nutzt die Erdbeere die Tiere als „Transportmittel“ für ihre Verbreitung. Mit der doppelten Strategie aus weiträumiger Samenverbreitung und der Bildung von Ausläufern sorgt die Erdbeere geschickt für ihren Fortbestand und genetische Vielfalt.

Zwei köstliche Erdbeere-Rezepte zum Nachmachen

Fruchtiger Erdbeersalat mit Mozzarella und Avocado

Zutaten:

  • 250 g Erdbeeren
  • 1 große Handvoll Rucola
  • 1 Avocado
  • 1 EL Sonnenblumenkerne
  • 1 Becher Mini-Mozarella
  • Balsamico-Essig
  • Olivenöl
  • 1 TL Agavensirup
  • Salz

Zubereitung:

Wasche die Erdbeeren, entferne die grünen Blätter und halbiere die Früchte. Schäle die Avocado und schneide sie in etwa 2 x 2 cm große Würfel. Halbiere die Mozzarella-Bällchen und gib alles gemeinsam mit dem gewaschenen Rucola und den Sonnenblumenkernen in eine Schüssel. Mische für die Marinade Balsamico Essig mit Olivenöl, Salz und Agavensirup. Gieße das Gemisch über den Salat und wende alles vorsichtig mit den Händen. Dazu passt frisches Baguette.

Erdbeer-Topfentorte für die Sommerjause

Zutaten:

Für den Biskuitteig:

  • 5 Eier
  • 90 g Zucker
  • 1Pkg Vanillezucker
  • Etwas Zitronenschale
  • 100 g Mehl

Für den Belag:

  • Erdbeermarmelade
  • 300 g Erdbeeren
  • 90 g Zucker
  • 1 Pkg Vanillezucker
  • 2 Dotter
  • 250 g Topfen
  • 2 EL Sauerrahm
  • ¼ Liter Schlagobers
  • Saft und Schale einer halben Zitrone
  • 2 EL Rum
  • 6 Blatt Gelatine, alternativ Agar Agar

Zubereitung:

Trenne die Eier und mixe Dotter, Zucker, Vanillezucker und Zitronenschale sehr schaumig. Hebe anschließend das Mehl mit einer niedrigen Mixerstufe vorsichtig unter. Schlage anschließend das Eiklar mit sauberen Mixstäben zu sehr steifem Schnee und rühre ihn vorsichtig unter die Dotter-Mehl-Masse. Gib den Teig in eine bemehlte Tortenform und backe ihn bei 200° C für ca. 15-20 Minuten (Probe mit dem Holzstäbchen). Stürze den Teig aus der Tortenform und lasse ihn auskühlen.

Weiche die Gelatine in kaltem Wasser ein. Putze und wasche die Erdbeeren und lass sie im Sieb abtropfen. Mixe Zucker, Vanillezucker, Dotter, Topfen, Sauerrahm, Zitrone und Rum zu einer cremigen Masse. Schlage anschließend das Schlagobers steif und hebe es vorsichtig unter. Löse nun die ausgedrückte Gelatine in 2 EL Wasser auf und hebe sie unter die Topfen-Obers-Fülle.  

Streiche Erdbeermarmelade auf die Oberseite des Biskuitteigs. Lege anschließend den Tortenring rundum und fixiere ihn. Nun kommen 250 g Erdbeeren gleichmäßig auf den Tortenteig. Darauf füllst du die cremige Topfenmasse. Stelle die Form für 2-3 Stunden in den Kühlschrank und löse anschließend den Tortenring. Verziere die Torte mit den restlichen Erdbeeren.

Fazit

Erdbeeren wachsen im Garten, Hochbeet oder Blumenkasten. Bei wenig Platz bringst du in Stufen- oder Pyramiden-Hochbeeten viele Pflanzen unter. Mit einer Kombination verschiedener Sorten freust du dich den ganzen Sommer über auf eine reiche Erdbeerernte – und natürlich auch auf den einen oder anderen Snack direkt von der Pflanze.