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Köstliche Wurzeln für kalte Tage

verfasst von DI Doris Kampas am 15. Oktober 2020
in Gartenjahr, Gartentipps
DI Doris Kampas

Im Herbst werden die Tage kürzer und die Nächte kühler – vielleicht hast du ja schon die Heizung eingeschaltet. Im Garten ist die Ernte von Gurken und Zucchini langsam vorbei, auch die letzten Tomaten schmecken langweilig. Jene Gemüsearten, die wir im Sommer so sehr lieben, scheinen jetzt so gar nicht mehr auf unseren Speiseplan zu passen.

Und das zu Recht: Tomaten, Gurken, Zucchini, Melanzani und Salate, aber auch Kräuter wie Basilikum, Minze oder Salbei kühlen den Körper ab und erleichtern uns im wahrsten Sinne des Wortes so manchen heißen Sommertag.

Wenn’s kälter wird: wärme dich mit warmem Wurzelgemüse

Als ob es die Natur direkt für uns Menschen eingerichtet hätte, wärmt dich Wurzelgemüse an kühlen Tagen, stärkt dein Immunsystem und schützt dich so vor Infektionskrankheiten.

Bunte Karotten: eine wichtige Zutat für die warme Wintersuppe

Anders als das oben genannte Fruchtgemüse, hat Wurzelgemüse noch einen tollen Vorteil: je kühler es wird, umso wohlschmeckender und nahrhafter werden die Wurzeln. Denn mit sinkenden Temperaturen lagern sie alle im Sommer gesammelten Stoffe (Zucker, Proteine,…) in ihren Wurzeln und Knollen ein, um sich im Winter vor Frost und Kälte zu schützen.

Im Winter? Bei Frost und Kälte? Du hast richtig gelesen, denn die meisten Wurzelgemüse-Arten sind zweijährig und überstehen problemlos jeden Winter. Ihre Ernte ist daher nicht nur im Sommer und Herbst, sondern sogar den ganzen Winter hindurch möglich.

Was liegt also näher, als dich an kalten Tagen mit warmen Suppen, Püree oder Ofengemüse direkt aus deinem Garten selbst zu bekochen.

Artenreich und ursprünglich

Unter dem landläufigen Begriff Wurzelgemüse verstehen wir all jene Gemüsearten, deren Wurzeln oder zumindest Wurzelteile wir in der Küche verwenden. Am bekanntesten sind Karotten, Wurzelpetersilie, gelbe Rüben und Sellerie – das klassische Gemüse für warme Wintersuppen. Etwas ausgefallener sind Pastinaken, Schwarzwurzeln und Zuckerwurzeln. Auch rote Rüben, Stoppelrüben, und Rettiche kannst du im weitesten Sinne noch zum Wurzelgemüse zählen, wobei es sich bei diesen Gemüsearten eher um Rüben handelt. Auch die Knollensellerie ist – botanisch korrekt – eine Rübe. Ihr verdickter, runder Körper besteht sowohl aus Wurzeln als auch aus Teilen des Stängels.

Neben der roten Rübe ist auch die Sellerie botanisch eine Rübe. Denn die Knolle besteht aus Wurzel und Stängelteilen.

Viele Wurzelgemüse-Arten werden in Europa schon seit der Jungsteinzeit verwendet. Ihre wilden Vorfahren waren entweder direkt in Europa beheimatet oder kamen im Zuge von Völkerwanderungen aus dem asiatischen und südeuropäischen Raum zu uns. Noch bevor Ackerbau betrieben wurde, sammelten die Menschen Wurzeln und verdickte Knollen. Doch erst im frühen Mittelalter wurde Wurzelgemüse (neben einigen anderen Gemüsearten) von den Klöstern ausgehend gezielt in Gemüsegärten angebaut.

So baust du Wurzelgemüse erfolgreich an

Bereite dem Gemüse ein weiches Beet

Für die Wurzeln geht es ganz schön tief. Oder sollte es zumindest, denn je weicher und tiefgründiger der Boden ist, desto gerader und länger wächst das Wurzelgemüse. Der ideale Boden ist in vielen Gärten leider nicht vorhanden. Entweder ist der Boden zu schwer, also lehmig bis tonig oder, was viel häufiger der Fall ist, durch Baumaschinen vom Hausbau verdichtet. In vielen, vor allem kleineren Reihenhausgärten, wurde einfach Erdaushub oder Bauschutt aufgeschüttet und mit einer dünnen Schicht Humuserde abgedeckt. Die Wurzeln werden dann kurz, krumm oder spalten sich, wenn sie auf Steine treffen. Aber keine Sorge, mit ein paar Maßnahmen kannst du auch auf schlechteren Böden schöne Karotten und Co ernten.

Verdichtete Böden solltest du einmal tiefgründig lockern. Verwende dazu eine Grabegabel, mit ihr ist die Arbeit weniger anstrengend als mit einem Spaten und du bringst die Bodenschichten nicht durcheinander.

Bei schlechten oder Bauschuttböden legst du dein Beet am besten in die Höhe. Baue einen Rahmen, z.B. aus etwa 20 cm hohen Holzlatten oder Metallkanten rund um dein Beet und befülle ihn mit Kompost und frischer Erde.

Tipp: ein Rahmen aus Robinienholz ist stabil und bringt mehr Tiefe für die Wurzeln

Nachhaltig baust du einen guten Boden mit Flächenkompostierung auf – er wird dadurch tiefgründiger und fruchtbarer.

Wenn du zu den glücklichen Hochbeet-Gärtnern gehörst, ist dort der beste Platz für das Wurzelgemüse. Durch die lockere Befüllung wachsen die Wurzeln gerade und ungestört in die Tiefe – Anbau und Ernte gelingen problemlos.

Wurzelgemüse ist ein Mittelzehrer, der Boden sollte nährstoffreich, aber nicht frisch gedüngt sein. Abgelegter Kompost oder eine gute Bio-Erde im Beet oder Hochbeet ist ideal.

Jetzt aber raus ins Beet mit Karotten, Pastinaken und Co

Die meisten Wurzelgemüse-Arten säst du direkt als Samen ins Beet oder Hochbeet. Lediglich Knollensellerie ziehst du besser vor und setzt sie als Jungpflanzen ein.

Die Samen sind v.a. bei Karotten, Wurzelpetersilie und gelben Rüben sehr klein. Säe dieses Gemüse fein aus, damit sich die Wurzeln später nicht gegenseitig behindern. Auf Nummer sicher gehst du mit einem Saatband, hier sind die Samen bereits im richtigen Abstand. Das Band musst du einfach nur mehr in die Erde legen und gießen.

Bio Saatband Karotten Nantaise 2

Mische zu den Samen von Karotten, Wurzelpetersilie, Pastinaken und gelben Rüben einige Radieschen– oder Dillsamen. Diese keimen rascher und markieren die Saatreihen, die du bei der langen Keimdauer der Wurzelfrüchte (ca. 2-3 Wochen) schon mal aus den Augen verlieren kannst. Wähle den Termin fürs Säen nach deinem Wunschzeitraum für die Ernte. Je früher du aussäst, umso früher erntest du. Die folgende Tabelle gibt dir einen Überblick über dir richtigen Anbauzeitpunkte je Gemüseart und seine Entwicklungszeit vom Anbau bis zur Ernte.

GemüseartAussaatEntwicklungszeit
Karotten und gelbe RübenMärz – Juli4-5 Monate
WurzelpetersilieMärz-April6 Monate  
SellerieVorziehen: Mitte März bis April, Auspflanzen ins Freie: Mitte Mai5-6 Monate
PastinakenEnde Februar – Mai6-7 Monate
ZuckerwurzelMai-JuniMehrjährig, erst ab dem 2. Jahr ernten
SchwarzwurzelnMärz-April8-10 Monate
Rote RübenMärz – Juli3-4 Monate
StoppelrübenJuni – August3-4 Monate
RetticheJe nach Sorte: April-AugustJe nach Sorte:
2-4 Monate

Schenke den Wurzeln ein wenig Zuwendung

Wurzelgemüse braucht nicht viel Pflege – aber ein paar wichtige Dinge solltest du fürs Gelingen beachten.

Gieße Saat und gekeimte Pflanzen regelmäßig. Zu Beginn darf das Beet nicht austrocknen, sonst würden die kleinen Pflänzchen gleich wieder absterben. Etwas später reicht es, wenn du alle zwei bis drei Tage gießt, da sich die Pflanzen das Wasser auch von weiter unten holen können. Bei zu großer Trockenheit platzen die Wurzeln auf.

2-3 Wochen nach dem Keimen musst du auslichten. Entferne zu dicht stehende Pflanzen, damit die anderen genug Platz für die Bildung schöner Wurzeln haben.  Wiederhole diesen Vorgang ein paar Wochen später noch einmal, wenn es den Pflänzchen immer noch zu eng im Beet ist.

Ein erster kleiner Snack – die Mini-Karotte raus, damit mehr Platz für die anderen Karotten bleibt

Die meisten Wurzelgemüse-Arten sind robust und gesund. Vor allem rote Rüben, Schwarz– und Zuckerwurzeln, Pastinaken und Wurzelpetersilie haben kaum Fraßfeinde, die gerne über sie herfallen – von den allgegenwärtigen Schnecken einmal abgesehen.

Karotten und gelbe Rüben werden von der Möhrenfliege befallen. Ihre Larven fressen in die Außenseite der Wurzeln lange Gänge. Abhilfe verschafft Mischkultur mit Zwiebeln oder Lauch. Auf Nummer sicher gehst du mit einem Insektennetz, mit dem du die Möhrenfliege an der Eiablage hinderst.

Gefährdet sind Stoppelrüben und Rettiche. Beide gehören zur Familie der Kohlgewächse und werden daher von allen möglichen Kohlschädlingen, wie z.B. Erdflöhen, Kohlweißlingen, Kohltriebrüsslern und einigen mehr befallen. Die einzig wirksame Methode zur Abwehr ist Aussperren. Spanne dazu direkt nach der Aussaat ein feinmaschiges Insektennetz über das Beet.

Ernte, wie es dir gefällt

Das Tolle an Wurzelgemüse: du hast keinen Stress. Denn während andere Gemüsearten so rasch reifen, dass du kaum mit der Ernte nachkommst, spielen bei Wurzelgemüse ein paar Tage auf und ab keine Rolle. Im Gegenteil: bei guten Bedingungen werden die Wurzeln einfach länger und dicker.

Aufpassen musst du bei Rüben und Rettich: diese werden holzig oder beginnen zu blühen.

Du kannst Wurzelgemüse sogar den ganzen Winter hindurch ernten. Schütze es mit etwas Mulch und einem wärmenden Vlies vor allzu starken Frösten. Ernte im Winter an warmen, sonnigen Tagen, wenn der Boden nicht gefroren ist. Baue Wurzelgemüse, dass du im Winter ernten willst, ab Juni/Juli an – dann kannst das Beet davor noch für andere Pflanzen nutzen.

Verwende für die Ernte von Schwarzwurzeln Handschuhe – denn sie färben stark ab! Achtung: Schwarzwurzeln brechen leicht.

Zuckerwurzeln sind mehrjährige Pflanzen. Ernte sie erst ab dem 2. Jahr, da sie dann bereits viele, dicke Seitenwurzeln ausgebildet hat.

Alle anderen Wurzeln wie Karotten, Wurzelpetersilie, Pastinaken usw. ziehst du einfach einzeln aus der Erde – die dickeren zuerst, dann haben die anderen Wurzeln wieder Platz um noch ein wenig zu wachsen.

Mit einem guten Boden, etwas Zeit fürs Wachsen und regelmäßigem Gießen erntest du erfolgreich viele verschiedene, köstliche Wurzeln – für vitaminstarke und wärmende Gerichte im Herbst und Winter.

Beitrag: DI Doris Kampas
Fotocredits: bio-garten

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