Terra preta selbst erzeugen

Terra preta auf einer Schaufel mittig im Bild

“Terra preta do Indio” ist portugiesisch und bedeutet übersetzt schwarze Indianererde oder einfach Schwarzerde. Heute kennen wir diese außergewöhnliche Erde schlicht als Terra preta. Um das Besondere an Terra preta zu verstehen, werfen wir in diesem Blogbeitrag einen Blick in die Vergangenheit und auf einen anderen Kontinent.

Entdeckung der Terra preta

Im Jahr 1542 unternahmen der spanische Eroberer Francisco de Orellana und der Dominikanermönch Fray Gaspar de Carvajal als erste Europäer eine Expedition entlang des Amazonas. In ihren Aufzeichnungen berichteten sie von riesigen Siedlungen entlang des Flusses und seiner Seitenarme, in denen Zehntausende, wenn nicht gar Millionen Menschen lebten. Sie erwähnten auch kunstvoll verzierte Tongefäße. Spätere Expeditionen fanden nur mehr dünne Besiedlungen mit wenigen Menschen vor und stempelten die Erzählungen ihrer Vorgänger als angeberische Erfindungen ab.

Viele Jahrhunderte später fanden Archäologen tatsächlich Hinweise auf große Siedlungen. Neben Knochen und Tonscherben stießen sie mitten im Regenwald auf etwas vollkommen Unerwartetes: meterdicke, fruchtbarste Schwarzerde. Und zwar in solcher Ausbreitung, dass durchaus Millionen Menschen ernährt werden konnten. Mitte des 20. Jahrhunderts begannen Bodenforscher sich mit Terra preta und ihren bemerkenswerten Eigenschaften zu beschäftigen.

Was macht Terra preta so besonders?

Terra preta ist keine natürlich entstandene Erde. Ihre Heimat, die tropischen Regenwälder, sind alles andere als ideal für die Entstehung eines fruchtbaren Bodens. Durch häufige Niederschläge und dauerhaft warme Temperaturen werden Tier- und Pflanzenreste rasch abgebaut und von anderen Lebewesen sofort wieder aufgenommen. Anders als bei uns entsteht keine Humusschicht. Die Böden in den Tropen sind daher karg, außerdem voll Eisen und Aluminiumoxid. Den Regenwald für die Gewinnung von Ackerland abzubrennen, wie es leider immer noch sehr häufig gemacht wird, ist sinnlos. Denn schon nach 1-2 Jahren gedeiht dort nichts mehr. Die indigene Bevölkerung rund um das Amazonasgebiet erkannte das wohl und wählte einen komplett anderen Weg. Sie begannen mitten im Urwald fruchtbare Beete anzulegen und ernährten mit ihnen eine stetig wachsende Bevölkerung. Die nahrhafte Erde, die dabei entstand, ist die Terra preta. Sie ist also eine von Menschenhand gemachte Erde.

Anders als deine gut gepflegten Beete im Garten, die du jährlich mit Kompost, Mulch oder Bio-Dünger anreicherst, bleibt Terra preta dauerhaft fruchtbar. Selbst bei intensiver Nutzung sind die Erträge von Terra preta Feldern ohne weiteres Zutun gleich hoch. Studien gehen davon aus, dass sich Terra preta Böden sogar selbst regenerieren können. Woran das liegt, konnte bis heute nicht vollständig entschlüsselt werden. Bodenkundler vermuten, dass der Schlüssel zum Geheimnis in der besonderen Zusammensetzung der schwarzen Erde liegt.

Die geheime Terra preta Mixtur

Bis heute kann niemand genau sagen, wie Terra preta gemacht wurde. Dennoch konnten Archäologen und Bodenforscher der Terra preta manch ihrer Geheimisse entlocken. 

Terra preta ist ein Produkt hundertprozentiger Kreislaufwirtschaft. Die Menschen schichteten zwischen Bäumen eine Mischung aus Pflanzen- und Speiseresten, Knochen, Fischgräten, ihren eigenen Fäkalien und als besondere Zutat Pflanzenkohle auf. In Terra Preta Böden finden sich in allen Schichten zudem zahlreiche Tonscherben. Man vermutet, dass in den Tongefäßen entweder Fäkalien gesammelt oder Pflanzenreste bzw. Speisen fermentiert wurden. Waren die Töpfe voll oder alt, wurden sie einfach mit den anderen Abfällen vergraben. Durch den Druck des darüber geschichteten Materials zerbrachen die Töpfe und gaben ihren Inhalt frei. Verschiedene Bakterienstämme aus menschlichen Rückständen und Fermentationsprozessen sorgten für den Humusaufbau. Die Pflanzenkohle band große Mengen Nährstoffe und Wasser und förderte damit die Fruchtbarkeit von Terra Preta. Man vermutet, dass die Pflanzenkohle zu Beginn eher zufällig (als Rückstand vom Feuer machen) zu dem Gemisch gegeben und erst später gezielt eingesetzt wurde. Sie gilt als Ursache dafür, dass trotz der lokalen Bedingungen (viel Regen und Wärme) Humus entsteht.

Heute geht man davon aus, dass vor allem Bakterien (allen voran Milchsäurebakterien) und Pflanzenkohle für die enorme und andauernde Fruchtbarkeit verantwortlich sind.

Da wir statt Tongefäßen heute Toiletten nutzen und unser Essen am Herd und nicht mehr am Lagerfeuer zubereiten, stehen uns bestimmte „Zutaten“ für Terra preta nicht mehr zur Verfügung. Dennoch gibt es auch für den modernen Garten recht erfolgreiche Terra preta Rezepte, die frischen Schwung und mehr Fruchtbarkeit in deine Beete bringen.

So stellst du deine eigene Terra preta her

Für 200 Liter Terra preta brauchst du folgende Zutaten:

 • 120 Liter Kompost
• 40 Liter Küchenabfälle
• 20 Liter Pflanzenkohle (zerkleinert)
• 10 Liter Tonscherben (z.B. Ziegelsplitt oder kaputte Tontöpfe)
• 5 Liter Pflanzenjauche (z.B. Brennnesseljauche)
• 5 Liter Urgesteinsmehl

Zubereitung:

• Mische die Pflanzenkohle mit den Küchenabfällen und der Pflanzenjauche in einem großen Topf oder Fass und stampfe das Gemisch zusammen. Decke das Gefäß luftdicht ab und lasse es an einem warmen Ort stehen.

• Das Gemisch fermentiert und reichert die Pflanzenkohle mit Nährstoffen und Mikroorganismen an. Das nimmt einige Wochen in Anspruch und erst danach geht es weiter.

• Wähle zum Ansetzen der Terra Preta im Garten einen schattigen, windgeschützten Platz mit offenem Boden. 

• Mische für die Terra Preta Kompost mit Urgesteinsmehl, den Tonscherben und dem fertig fermentierten Pflanzenkohle-Gemisch. Mit einer Grabgabel oder Schaufel klappt das Mischen am besten. Forme zum Schluss eine hügelige Miete, ähnlich wie bei einem Komposthaufen oder Hügelbeet.

• Decke alles mit einer Plane ab und fixiere diese mit Heringen oder Steinen.

• Nach einigen weiteren Wochen ist die Terra Preta fertig. Nun kannst du sie reichlich auf deinen Beeten ausbringen.

Pflanzenkohle: die wichtigste Zutat von Terra preta

Pflanzenkohle – auch Biochar genannt – entsteht bei der sauerstoffarmen Verbrennung von trockener Biomasse. Das können Holzstücke, Äste und Zweige, Stroh und holzige Staudenreste oder andere Rückstände sein. Kommerziell wird Pflanzenkohle z.B. aus Sonnenblumenschalen oder Getreidespelzen erzeugt. Statt vollständig zu Asche zu verbrennen, werden aus den Pflanzenresten Kohlestückchen mit ganz besonderen Eigenschaften:

Dauerhafte Kohlenstoffsenke

Verbrennst du ein Stück Holz, entweicht das vom Baum über viele Jahre aufgenommene CO² in die Luft. Übrig bleibt ein Häufchen Asche, das stark alkalisch ist und – wenn überhaupt – dann nur sehr sparsam im Garten verwendet werden sollte (z.B. auf sauren Böden). 

Im Gegensatz dazu enthält Pflanzenkohle zwischen 50 und 90 % Kohlenstoff (in der Trockenmasse). Er ist so fest gebunden, dass er im Boden weder durch Mikroorganismen noch durch Pflanzen verbraucht oder abgebaut werden kann und bis zu 1000 Jahre Bestand hat. 
Spannend zu wissen: ein Kilogramm Pflanzenkohle kann der Luft bis zu 3 kg CO² entziehen und dauerhaft speichern.

Poröse Struktur mit riesiger Oberfläche

Ein Gramm Pflanzenkohle – glattgewalzt und ausgebreitet – würde bis zu 300 m² Fläche bedecken. Diese enorme Oberfläche liegt an der porösen, luftgefüllten Struktur der Pflanzenkohle. Damit verbessert sie jeden Boden, indem sie seine Aggregate stabilisiert. Besonders schwere, tonige Böden werden aufgelockert. 

Pflanzenkohle macht den Boden zum Wasserschwamm

Die luftgefüllten, unterschiedlich großen Poren der Pflanzenkohle halten Wasser viel besser im Boden. Es versickert langsamer und versorgt die Pflanzen auch an heißen Tagen mit ausreichend Feuchtigkeit. Besonders bei sandigen Böden hilft Pflanzenkohle das Wasserhaltevermögen zu verbessern. 

Nährstoffspeicher 

Pflanzenkohle hält durch seine besondere Struktur Nährstoffe fest und verhindert damit ihre Auswaschung ins Grundwasser. Das gilt vor allem für stickstoffreiche Böden, z.B.  wenn du gerade eine Menge frischen Kompost oder Tiermist ausgebracht hast und es danach heftig regnet. Statt nach unten gespült zu werden, bleibt Stickstoff an der Pflanzenkohle „kleben“. 

Lebensraum für Mikroorganismen

Die Zugabe von Pflanzenkohle beeinflusst die Aktivität und Zusammensetzung der im Boden lebenden Mikroben. Sie fördert jene Bakterien und Pilze, die den Nährstoffkreislauf und das Pflanzenwachstum verbessern und sorgt insgesamt für eine größere Vielfalt an Mikroorganismen. Grund sind ihre verschieden großen Poren, die Schutz vor Austrocknung und Fressfeinden bieten.  

Bessere und gesündere Pflanzen

Alle oben angeführten positiven Eigenschaften bewirken, dass deine Pflanzen gesünder, größer und üppiger wachsen. Pflanzenkohle versorgt sie besser mit Nährstoffen und Wasser, lässt ihre Wurzeln verzweigter und tiefer wachsen und fördert ihren Austausch mit den Mikroben. 

Pflanzenkohle kannst du entweder selbst herstellen oder kaufen. Da die Eigenproduktion etwas aufwändig und mit Brandgefahr verbunden ist, ist das Kaufen der einfachere Weg. Achte dabei auf die Qualität, denn neben sehr guten Produkten gibt es auch unprofessionell hergestellte Pflanzenkohle, die mehr schadet als nutzt.  Ein sicheres Kennzeichen ist die EBC-Zertifizierung, das European Biochar Certificate. Seine Kriterien wurden von namhaften Biochar-Experten von Universitäten und Forschungseinrichtungen festgelegt.

So bringst du Pflanzenkohle aus

Pflanzenkohle bringst du entweder zusammen mit anderen Zutaten als Terra preta aus oder einfach solo zur Bodenverbesserung. Bevor du die Pflanzenkohle unter die Erde oder in den Blumentopf mischt, musst die sie „aufladen“. Denn „leere“ Pflanzenkohle nimmt im Boden befindliche Nährstoffe auf und bindet sie fest an sich. Diese Nährstoffe stehen deinen Pflanzen nicht mehr zur Verfügung.

So lädst du die Pflanzenkohle auf:

Während der Kompostierung: Mische 10-15 % Pflanzenkohle zu den anderen Kompostzutaten und lasse alles gemeinsam kompostieren. Während der Kompostierung erfüllt die Pflanzenkohle einige wichtige Funktionen: sie fängt frei gewordene Nährstoffe auf, die sonst versickern würden. Sie bindet Presssäfte und Mikroorganismen, die sich im Zuge der Kompostierung ansiedeln und vermehren. Der fertige Kompost kommt direkt auf die Beete. 

Mit Jauche: mische einen Teil Pflanzenkohle mit 2 Teilen fertiger Jauche, z.B. Brennnessel-Jauche, Beinwell-Jauche oder verschiedenen Mischjauchen. Sie befüllen die Pflanzenkohle nicht nur mit Nährstoffen sondern auch mit Mikroorganismen, die sich während der Verjauchung anreichern. Ladezeit ca. 5-7 Tage.

Mit Komposttee: funktioniert wie bei der Jauche, also 1 Teil Pflanzenkohle mit 2 Teilen Komposttee mischen und ca. 1 Woche stehen lassen. 

Mit Bio-Flüssigdünger: verdünne den Bio-Dünger nach Packungsvorhabe mit Wasser. Mische anschließend die Pflanzenkohle im Verhältnis 1:2 darunter. Das entspricht einem Liter Pflanzenkohle auf zwei Liter verdünnten Flüssigdünger. Rühre gut um und lasse die Mischung 3-4 Tage ziehen. Anschließend ist die Kohle-Dünger-Substanz anwendungsfertig.  

Die richtige Menge Pflanzenkohle für Beet und Topf

Als Faustzahl gilt: 1 Liter aktivierte Pflanzenkohle für 1 m² Bodenfläche. 

Allerdings hängt die Aufwandmenge auch von der Art des Bodens und den angebauten Pflanzen ab. Auf humusarme oder sandige Böden verteilst du besser 1,5 -2 Liter aktivierte Pflanzenkohle. Auch wenn du Starkzehrer wie Kürbis, Zucchini oder Tomaten pflanzt, wirkt etwas mehr aktivierte Pflanzenkohle förderlich. Arbeite die Pflanzenkohle in die obersten 10-20 cm Boden ein. 

Tipp: da du die Pflanzenkohle aktiviert – also mit anderen Zutaten vermischt – ausbringst, lässt sich ihr genaues Volumen danach nur mehr schätzen. Miss daher deine Fläche und die benötigte Menge Pflanzenkohle im Vorfeld ab und aktiviere sie erst danach. So gelingt die richtige Dosierung sicher.

Mische bei Töpfen 5-10 % aktivierte Pflanzenkohle unter die Blumenerde. 

Fazit

Terra Preta kannst du mit wenigen Zutaten selbst herstellen und Pflanzenkohle ist dabei ein wichtiger Bestandteil. Wenn du die wertvollen Eigenschaften von Pflanzenkohle nutzen möchtest, musst du aber nicht gleich Terra Preta herstellen: Sie lässt sich auch direkt in die Erde einarbeiten.