Von mild bis höllisch spicy: Paprika & Chilis erfolgreich anbauen und nutzen

Bunte Vielfalt an Gemüse, Fokus auf Pfefferoni

Paprika und Chilis entstammen botanisch gesehen einer Familie und sind eng miteinander verwandt. Ihre Nähe geht so weit, dass es sich meist um dieselbe Art handelt und der Unterschied in Farbe, Größe und Schärfe nur durch die jeweilige Sorte entsteht. Durch gezielte Züchtungen entstand eine riesige Vielfalt. Heute gibt es weltweit über 3000 verschiedene Sorten – von mild bis scharf, von rund bis spitz und in den buntesten Farben wie orange, violett, gelb und rot. Wie du Paprika und Chili selbst groß ziehst und warum du dich sogar Indoor über eine tolle Ernte freuen kannst, liest du in diesem Beitrag. 

Paprika, Pfefferoni, Chili
– das who ist who der spicy Früchte

Eine Frucht, viele Bezeichnungen. Denn es gibt bislang keine botanische Einigkeit, um die einzelnen Sorten zu unterteilen – vielmehr unterscheidet man Paprika, Chili und Pfefferoni anhand ihrer geschmacklichen und optischen Eigenschaften. 

Paprika

Sind meist großfruchtig und mild. Sie schmecken süß, haben große, dickfleischige Früchte und keine bis wenig Schärfe. Milde Paprika sind das Ergebnis gezielter Züchtungen durch den Menschen, denn ursprünglich waren die Früchte der Paprikapflanzen alle scharf.

Verwendung: als Rohkost und Salat, zum Kochen, Füllen, für die Suppe und zum Grillen. 

Pfefferoni

Die Bezeichnung Pfefferoni entstammt dem süddeutschen und österreichischen Sprachraum. Pfefferoni sind längliche, schlanke, milde bis leicht scharfe Paprika, die meist grün oder rot geerntet werden. Ein weiterer, bekannter Name für Pfefferoni ist Peperoni.  

Verwendung: als Rohkost, Antipasti, für Pizza oder eingelegt im Glas.

Chili

Sie sind die scharfen Vertreter der Paprikafamilie. Die Früchte sind kleiner und dünnwandiger. Ihre Schärfe entsteht durch Capsaicin – ein Stoff, der Fraßfeinde abschrecken soll. Die Schärfe der Chilis wird in Scoville-Einheiten mit einer Skala von 1-10 gemessen. Während 1 sehr mild ist, ist eine Chili mit einem Schärfegrad von 10 für europäische Geschmäcker kaum genießbar – es sei denn, du bist nach einem längeren Asien-Aufenthalt schon sehr abgehärtet. Anfänger sollten besser mit einem Schärfegrad von 2-3 beginnen. Nähere Infos zum Schärfegrad findest du bei der jeweiligen Samen-Beschreibung.

Verwendung: zum Würzen, Trocknen, Einlegen oder für scharfe Saucen

Paprika und Chili vorziehen
– So Geht’s

Der richtige Zeitpunkt fürs Anbauen

Vorneweg räumen wir mit dem Gerücht auf, dass es für die Anzucht von Paprika im März bereits zu spät ist. Die verführerischen Fotos auf diversen Social-Media-Kanälen, auf denen bereits im Februar üppige Paprika-Pflänzchen prangen, täuschen darüber hinweg, dass es zu dieser Jahreszeit noch ein großes Problem gibt: Lichtmangel! Wenn du deine Pflänzchen auf der Fensterbank vorziehst, fehlt im Jänner und Februar schlicht und einfach das Licht. Immerhin sind Paprika aus ihrer Heimat mindestens 12 Stunden Sonnenschein/Tag gewöhnt – auch die kleinen Pflänzchen. Wenn du also weder über Pflanzenlampen noch ein beleuchtetes Gewächshaus verfügst, ist März genau der richtige Monat für die Aussaat. Sogar im April gedeihen die Jungpflanzen noch ausreichend – rechne dann jedoch mit einer etwas späteren Ernte.

Gut zu wissen: Bei Lichtmangel strecken junge Pflanzen ihre Stängel in die Höhe, um an ihren wichtigsten Nährstoff – eben das Licht – zu gelangen. Die Stängel werden, lang, dünn und neigen zum Umfallen. Man sagt auch, die Pflanzen vergeilen. Von diesem Anfangsstress können sich Pflanzen kaum erholen, sie wachsen schlechter und liefern weniger Ertrag als gesunde – etwas später angebaute – Jungpflanzen. 

Samen säen – aber richtig!

Bevor du loslegst und die Samen ins Freie streust, solltest du deine Beete etwas vorbereiten. Entferne Pflanzenreste vom letzten Jahr und lockere den Oberboden, z.B. mit einer Grabgabel, einem Scher (Bügelzughacke) oder einer Pendelhacke. Verzichte aufs Umstechen, denn damit bringst du nur die Bodenschichten durcheinander und verschlechterst sogar die Startbedingungen für deine Pflanzen. 

Du brauchst:

Saatgefäße:
 Geeignet sind zum Beispiel Töpfe, Joghurtbecher, halbierte Tetrapacks (etwa von Milch oder Fruchtsäften) oder andere Upcycling-Gefäße. Wichtig ist lediglich, dass überschüssiges Wasser abfließen kann – bohre daher bei Bedarf kleine Löcher in den Boden.

Tipp: Verwende Pflanzgefäße mit mindestens 7 cm Durchmesser. Darin können sich die Jungpflanzen gut entwickeln und später meist direkt in den Gemüsegarten oder ins Hochbeet umziehen. Ziehst du Paprika dagegen in Saatschalen oder Anzuchtplatten vor, müssen die kleinen Pflanzen in der Regel noch einmal pikiert bzw. umgetopft werden.

Torffreie Bio-Erde:
Paprika und Chili kommen bereits als Keimling recht gut mit „normaler“ Erde zurecht. In klassischer Anzuchterde leiden sie schon nach kurzer Zeit unter Nährstoffmangel, was wiederum zusätzliches Umtopfen notwendig macht. 

Samenfeste Bio-Samen:
damit gehst du auf Nummer sicher und kannst später sogar die Samen sammeln und wieder selbst anbauen. 

Beschriftungskärtchen: 
damit du die Sorten später nicht verwechselst.

So geht’s

  1. Reinige, falls notwendig, die Töpfe vom Vorjahr, um Pilzsporen oder Keime zu entfernen.  
  2. Fülle die Pflanzgefäße bis ca. 1 cm unter den Rand mit Bio-Erde.
  3. Drücke mit dem Finger oder einem Kochlöffelstiel ein ca. 1-1,5 cm tiefes Loch in die Mitte der Erde.
  4. Lege in jeden Topf jeweils ein Samenkorn in die Vertiefung und decke es mit Erde ab.  
  5. Gieße die Samen vorsichtig an, z.B. mit einer Sprühflasche oder einem sanften Brausestrahl.

Der beste Platz für deine Jungpflanzen:

Stelle die Töpfe an einen warmen Ort, z.B. auf die Fensterbank über der Heizung. Paprika/Chilis brauchen zum Keimen 24-26° C. Zusätzliche Wärme verschaffst du ihnen mit einer elektrischen Heizmatte, die die Erde sanft erwärmt und die Samen rascher zum Keimen bringt.

Der Platz sollte zudem sehr hell sein, vor allem, sobald sich die ersten Keimlinge zeigen. Ideal ist eine Rund-um-Beleuchtung, z.B. in einem Wintergarten oder unter einem Dachflächenfenster. Doch auch eine sonnige Fensterbank ist ein ausreichend guter Platz.

Tipp: kommt das Licht nur von einer Seite, kannst du folgenden Trick anwenden: drehe die Pflanze im Verlauf des Tages, dann bekommen alle Blätter gleichmäßig Licht.

Von der Keimung bis zur Ernte

Vom Anbau bis zur Keimung brauchen Paprika/Chilis etwa 14-21 Tage. Halte die Erde in dieser Phase stets feucht, denn ausgetrocknete Keimlinge sterben ab. Bis aufs Gießen und regelmäßiger Kontrolle auf Schädlinge (z.B. Blattläuse) brauchen die Jungpflanzen kaum Pflege. 

Bis Mitte Mai sind die Jungpflanzen kräftig herangewachsen und bereit für den Umzug ins Freie. Alternativ lässt du für deine Indoor-Ernte einige Pflanzen im Haus. Wie das klappt, steht etwa weiter unten in diesem Beitrag. 

Chili und Paprika in den Garten setzen

Der 15. Mai ist der Feiertag der heiligen Sophie und für alle Gärtner:innen ein wichtiger Stichtag. Nach langjähriger Erfahrung sind die letzten Spätfröste vorbei und auch kältempfindliche Pflanzen dürfen in den Garten. Verfolge trotzdem den Wetterbericht, um einer verspäteten Frostnacht zu entgehen. 

Lockere vor dem Auspflanzen das Gartenbeet vorsichtig mit einem Pendelhacke oder einer Grabgabel und entferne vorhandenen Bewuchs. Alternativ ist das Hochbeet ein guter Platz – denn Paprika und Chilis sind Starkzehrer, brauchen also viele Nährstoffe. Und diese sind vor allem im 1-2-jährigen Hochbeet reichlich vorhanden. Ältere Hochbeete füllst du mit frischer Bio-Erde auf. 

Gib – sowohl im Garten- als auch im älteren Hochbeet – etwas Bio-Langzeitdünger in das Pflanzloch. Nimm anschließend deine Jungpflanze aus dem Topf und setze sie auf gleicher Höhe bzw. leicht vertieft ein. Anders als Tomaten sind Paprika und Chilis jedoch empfindlich gegen zu tiefes Einsetzen und reagieren mit Fäulnis am Wurzelhals. 

Stecke beim Einpflanzen zusätzlich einen Pflock in bzw. neben das Pflanzloch und binde die jungen Pflanzen locker an. Der Pflock gibt ihnen Halt – besonders in windigen Regionen. 

Chili und Paprika als Zimmerpflanze

Wusstest du, dass Chili und Paprika mehrjährig sind? Im Freien wird es ihnen zu kalt und sie gehen im Herbst ein, doch in der Wohnung können sie bei guter Pflege bis zu 5 Jahre oder älter werden. Wenn du also einige Jungpflanzen in der Wohnung/im Haus behalten willst, gehe folgendermaßen vor:

  • Suche den hellsten und wärmsten Platz, idealerweise neben einem Südfenster. Alternativ spendet eine Pflanzenlampe zusätzliches Licht. 
  • Setze die Jungpflanze in einen Topf mit mindestens 15 Liter Fassungsvermögen und stelle ihr eine Stütze (z.B. einen Pflock) zur Verfügung
  • Gieße regelmäßig, aber nicht übermäßig. Die Erde darf oberflächlich austrocknen, etwa 1-2 cm unter der Oberfläche sollte sie feucht sein. 
  • Dünge die Pflanzen alle 2-3 Wochen mit einem Bio-Flüssigdünger. 
  • Schüttle die Pflanzen, sobald sie blühen. Sie sind Selbstbestäuber und brauchen lediglich etwas Bewegung (in der Natur durch den Wind), um Früchte zu tragen. 
  • Stelle sie nach der Ernte im Herbst/Winter an einen kühlen Platz (ca. 15° C) und schneide die Triebe zurück)
  • Im Frühling treibt dein Paprika/Chili neu aus und fruchtet früher als im Vorjahr. 

Paprika und Chili ernten

Ab Mai/Juni bilden die Pflanzen, weiß-gelbliche, liebliche, kleine Blüten. Entferne die allererste Blüte – die sogenannte Königsblüte. Dadurch setzt die Pflanze wesentlich mehr neue Blüten an. 

Nach der Befruchtung durch Wind oder Schütteln wachsen die – oft als Schoten bezeichneten – Früchte heran. Botanisch sind sie allerdings keine Schoten, sondern Beeren. 

Mit der Zeit nehmen die Früchte ihre sortentypische Größe und Farbe an. Dabei kannst du meist ein Farbenspiel beobachten, denn die Früchte wechseln ihre Farbe im Laufe der Zeit. So schlagen sie von grün auf rot, von gelb auf orange oder von rot auf violett um. Erntest du die Früchte zu früh, sind sie unreif, aber nicht ungenießbar. Das beste Beispiel sind grüne Paprika, die eigentlich unreif, gerne als erfrischendes Gemüse genossen werden. 

Schneide zur Ernte die Frucht einfach mit einem Messer am Fruchtstiel ab. 

Tipp: die schärften Teile der Chili sitzen im Fruchtdeckel (beim Fruchtstiel) und in den inneren Scheidewänden. Entferne beides, um die Schärfe etwas zu mildern. 

Fazit

Paprika, Pfefferoni und Chilis bringen Vielfalt in Garten und Küche – von mild bis richtig scharf. Mit etwas Wärme, viel Licht und der richtigen Pflege lassen sie sich problemlos selbst anziehen, im Garten kultivieren oder sogar in der Wohnung halten. Wer sie einmal selbst angebaut und frisch geerntet hat, wird ihren Geschmack kaum mehr missen wollen.

Text: @Doris DI Kampas