Nach einem langen, oft trüben Winter scharrst du bereits ungeduldig in den Startlöchern und kannst es nicht mehr erwarten, im Garten loszulegen? Verständlich, denn auch der Körper ruft nach frischen Vitaminen, Chlorophyll und Vitamin D, um das Immunsystem anzukurbeln und wieder in Schwung zu kommen. Die gute Nachricht: statt weitgereistem Supermarktgemüse baust du dir frisches Grünzeug ab sofort selbst an – Indoor und Outdoor. Dieser Beitrag zeigt dir, was Ende Februar/Anfang März schon alles geht.

Sprossen und Microgreens: Powerpakete von der Fensterbank
Sie sind ein Ganzjahres-Burner: Sprossen und Microgreens versorgen dich zu jeder Jahreszeit mit wertvollen Mikronährstoffen und Vitaminen. Sie sind besonders reich an Eisen, Zink, Selen, Vitamin C, Vitamin E und Vitamin A. Microgreens enthalten im Vergleich zu ausgewachsenem Gemüse 30-40-mal mehr wertvolle Inhaltstoffe. Mit einem Esslöffel Microgreens nimmst du in etwas so viele Nährstoffe zu dir, wie mit einem ganzen Salatkopf.
So unterscheidest du Sprossen und Microgreens
Sprossen und Microgreens werden oft synonym verwendet, sind aber unterschiedlich weit entwickelte Pflanzenstadien.
Sprossen: sind der frische Keimling. Dieser besteht aus Wurzeln, dem kleinen Stängel und den ersten Keimblättern. Du erntest sie bereits nach 4-7 Tagen und isst die gesamte Pflanze. Für den Anbau von Sprossen brauchst du lediglich ein Gefäß und Wasser. Als Gefäß eignet sich sogar eine einfache Schale, die du mit Watte oder Küchenrolle bedeckst und darauf die Samen aussäst.
Gleichmäßiger und rascher wachsen die Sprossen im Sprossenglas oder in der Sprouting- Anzuchtschale.
Microgreens: diese haben bereits die ersten echten Blätter. Zur Ernte schneidest du Stängel und Blätter, die Wurzeln werden nicht mehr verzehrt. Microgreens brauchen zum Wachsen bereits etwas Substrat (z.B. Anzuchterde) oder ein wenig Flüssigdünger. Junge Microgreens gelingen aber auch noch ausgezeichnet in der Sprouting-Anzuchtschale. Für ihre Entwicklung brauchen sie 7-12 Tage.
Die Sprouting-Anzuchtschale
Das ausgeklügelte System besteht aus einer Wasserschale, 2 Siebeinsätzen und einem Deckel. Die Sprouting-Anzuchtschale eignet sich sowohl für den Anbau von Sprossen als auch von Microgreens.
Beim Anbau säst du die Samen auf das obere, transparente Sieb. Die jungen Wurzeln durchwachsen die feinen Löcher und holen sich Wasser aus der Anzuchtschale. Zur Sprossenernte ziehst du die Keimlinge einfach mitsamt Wurzeln aus dem Sieb. Sind die Pflanzen zu Microgreens herangewachsen, stecken die bereits dickeren Wurzeln im Sieb fest. So kannst du die Pflänzchen problemlos an den Stängeln abschneiden bzw. abzwicken.

Eine genaue Schritt-für-Schritt Anleitung für den Anbau in der Sprouting Anzuchtschale findest du in unserem Beitrag Microgreens von der Fensterbank.
Unsere beliebtesten Sorten bei Sprout.ing:
Samen für Sprossen und Microgreens
Radieschen Scarlet Champion
Kaum aus dem Samenkorn, treiben es die Radieschen schon ganz schön bunt. Ihre hell- bis dunkelvioletten Blättchen sind vollgepackt mit Anthocyanen – einem Stoff, der nur in roten Pflanzenteilen vorkommt. Anthocyane fangen freie Radikale ein und sind somit eine wertvolle Unterstützung für das Immunsystem und gegen Entzündungen. Abgesehen davon schmecken die Radieschen würzig, frisch und geben dir den richtigen Frühlingskick.
Alfalfa Luzerne
Die Hülsenfrucht enthält hohe Mengen an Eiweiß, Vitamin C, Vitamin K und Folsäure. Sie schmeckt mild, leicht nussig und sehr saftig. Verwende Alfalfa Sprossen oder Microgreens aufs Butterbrot, In Currys und als Topping für viele Speisen.
Brokkoli
Sie gehören in Bezug auf ihre Inhaltsstoffe zu den am meisten untersuchten Sprossen und Microgreens. Bedeutend sind ganz besondere Inhaltsstoffe, die Glucosinate. Beim Zerkauen entstehen aus ihnen Stoffe mit entzündungshemmender und antioxidativer Wirkung. Brokkoli schmecken etwas kohlig und senfartig – Sprossen sind milder als Microgreens.
Kresse
Klassisch aber nie out. Beim Anbau sind sie am unkompliziertesten und gelingen immer. Sie sind mit Radieschen und etwas entfernter auch mit Brokkoli verwandt und enthalten wie diese Senföle. Dazu die Vitamine K und C und zahlreiche Mineralstoffe. Kresse schmeckt scharf, würzig und etwas senfartig. Sie passt nicht nur aufs Butterbrot, sonders auch als Topping auf Salate, in die Suppe und zu vielem mehr.
Fitness-Sprossen
Eine vitalisierende Mischung verschiedener Keimlinge. Sie enthalten Rettich, Mungbohnen und Weizen. Während Rettich eine würzig-senfartige Note in die Mischung bringt, schmecken Mungbohnen nussig-süß und Weizen mild und süß. Zusammen enthalten sie nicht nur zahlreiche Vitamine, sondern auch viel Eiweiß, Senföle, Chlorophyll, Enzyme und Aminosäuren.
Ab in den Garten:
was ganz früh ins Freie darf
Für viele beginnt die Gartensaison erst im April oder Mai, mit den ersten Salaten oder den Tomaten. Das ist schade, denn von Ende Februar bis zum Abschluss der Eisheiligen am 15. Mai – also dem Zeitpunkt, an dem Tomaten, Gurken, Buschbohnen und Co. ins Freie dürfen – liegt eine ganze Anbausaison.
Folgendes Gemüse säst du direkt ins Freie, sobald der Boden nicht mehr gefroren ist und es wenige Plusgrade hat:
| Asia-Salate | Lauchzwiebel | Radieschen |
| Feldsalat | Pak Choi | Rettich |
| Kohlrabi | Pastinaken | Rucola |
| Kresse | Petersilie | Spinat |
| Kopfsalat | Pflücksalat | Wurzelpetersilie |
Vor der Aussaat
Bevor du loslegst und die Samen ins Freie streust, solltest du deine Beete etwas vorbereiten. Entferne Pflanzenreste vom letzten Jahr und lockere den Oberboden, z.B. mit einer Grabgabel, einem Scher (Bügelzughacke) oder einer Pendelhacke. Verzichte aufs Umstechen, denn damit bringst du nur die Bodenschichten durcheinander und verschlechterst sogar die Startbedingungen für deine Pflanzen.
Etwas Kompost auf den Beeten aktiviert das Bodenleben und ist ein guter Startdünger für deine erste Aussaat. Zudem fängt seine dunkle Farbe die Sonne ein und erwärmt das Beet.
Tipp: zusätzliche Wärme bringst du mit einem schwarzen Mulchvlies auf deine Beete. Lege es einige Tage vor der geplanten Aussaat aus. Darunter erwärmt sich der Boden und bereitet deinen Samen die besten Saatbedingungen.
Die Aussaat: so säst du richtig
Endlich ist es soweit und die Samen dürfen ins Freie. Auf der Rückseite deiner Samenpäckchen findest du alle wichtigen Angaben: den Zeitraum der Aussaat, den Abstand der Samen in der Reihe und zwischen den Reihen, die benötigte Keimtemperatur, die Dauer von der Aussaat bis zur Keimung und den Erntezeitraum.
Gut zu wissen: die Keimtemperatur entspricht nicht der Lufttemperatur, sondern der Bodentemperatur. Der dunkle Boden ist etwas wärmer als seine Umgebung – die Samen keimen also schon, wenn die Luft noch sehr kühl ist.
Säe die Samen nach Packungsangabe mit den richtigen Reihen- und Pflanzabständen. Das ist besonders wichtig, denn aus zu dicht gesäten Samen wachsen später Pflanzen, die sich gegenseitig beengen und am Wachsen hindern. Lichte zu dicht gesätes Pflänzchen später aus.
Achtung Lichtkeimer: manche Samen keimen nur, wenn sie einen Lichtreiz erhalten. Dazu gehören alle Salate und Kresse. Lege sie daher nur oberflächlich auf die Erde und drücke sie mit dem Handrücken fest.
Gieße zum Abschluss alle Samen gut an. Verwende dazu einen schwachen Brausekopf. Ein zu starker Wasserstrahl verschwemmt die Samen und sie wachsen plötzlich an anderer Stelle als geplant.
Turbo für dein Frühlingsgemüse
Du kannst die Ernte schon nicht mehr erwarten? Mit einem einfachen Trick beschleunigst du Keimung und Wachstum deiner Pflänzchen und erntest ein bis zwei Wochen früher. Bedecke das Beet oder Hochbeet direkt nach Aussaat und Gießen mit einem Vlies oder einem Frühbeet-Aufsatz. Unter der Abdeckung entsteht ein angenehmes Mikroklima, das als wahrer Booster wirkt. Die Sonnerstrahlen dringen durch die Abdeckung ins (Hoch-)Beet und werden in Wärmeenergie umgewandelt. Zudem bleibt es unter der Abdeckung feuchter. Beides wirkt sich positiv auf die Keimung und das Wachstum aus.
Wichtig: vergiss nicht aufs Lüften, denn zu hohe Luftfeuchtigkeit kann zu Schimmelbildung führen.
Bei starker Sonneneinstrahlung tagsüber öffnest du das Vlies oder den Frühbeet-Aufsatz, damit deine Pflänzchen nicht verbrennen. Nachts solltest du es wieder schließen, da es dann noch empfindlich kalt werden kann.
Fazit
Der Frühling beginnt nicht im Kalender, sondern mit den ersten grünen Pflänzchen auf Fensterbank und Beet. Genieße das frische Grün auf deinem Teller – es gibt dir Energie, bringt Schwung in den Tag und begleitet dich in die neue Jahreszeit.
Text: @Doris DI Kampas
















