5 Gemüseraritäten, die du fast nie kaufen kannst

Melothria Minigurke

Ausgefallenes Gemüse findest du auf Spezialitätenmärkten oder ganz selten in Supermärkten. Dort ist es alles andere als günstig. Der Verkauf erfolgt in kleinen Schälchen, mit 125 oder 250 g. Hochgerechnet liegt der Kilopreis schon mal bei 20-30 EURO. Wenn du auf den Geschmack gekommen bist, wird das ganz schön teuer. Andere seltene Gemüsearten oder -sorten sind dir vielleicht noch nie begegnet. Das Gute: viele dieser kostbaren Raritäten kannst du ganz einfach in deinem Garten oder am Balkon anbauen. Sie wachsen unkompliziert, kommen gut mit unserem Klima zurecht und liefern eine Menge Ertrag. Hier stellen wir dir fünf dieser seltenen Gemüse vor.

Tomatillo

Gehört zur Familie der Nachtschattengewächse

Tomatillos stammen aus Mexico und Mittelamerika, wo sie auch heute noch häufig kultiviert werden. Man vermutet, dass sie von der einheimischen Bevölkerung bereits vor der Tomate angebaut und verwendet wurden. Mit Seefahrern gelangten die Tomatillos nach Spanien und in andere südeuropäische Länder, wo sie jedoch nach kurzer Zeit von den beliebteren Tomaten verdrängt wurden. 

Herkunft und Ausbreitung

Tomatillos stammen aus Mexico und Mittelamerika, wo sie auch heute noch häufig kultiviert werden. Man vermutet, dass sie von der einheimischen Bevölkerung bereits vor der Tomate angebaut und verwendet wurden. Mit Seefahrern gelangten die Tomatillos nach Spanien und in andere südeuropäische Länder, wo sie jedoch nach kurzer Zeit von den beliebteren Tomaten verdrängt wurden. 

Anbau, Pflege und Ernte

Tomatillos benötigen zum Keimen warme Temperaturen zwischen 20-28° C. Säe sie im März einzeln in Töpfchen, dann ersparst du dir später das Pikieren. Setze die kälteempfindlichen Jungpflanzen im Abstand von 50 x 50 cm ab Mitte/Ende Mai ins Freie. Härte sie vor dem Umzug ab, damit sie sich an ihre neue Umgebung gewöhnen. Stelle sie dazu zuerst tagsüber für einige Stunden an die frische Luft, am nächsten Tag ein wenig länger usw. Schließlich dürfen sie über Nacht draußen bleiben.

Von Tomatillos benötigst du mindestens zwei Pflanzen, die sich wechselseitig befruchten. Setze die Jungpflanzen tiefer in die Erde, damit aus ihrem Spross weitere Seitenwurzeln wachsen. Dies fördert die Stabilität der Pflanze und ihre Fähigkeit, sich mit Nährstoffen und Wasser zu versorgen. 

In windigen Regionen neigen Tomatillos zum Umknicken, das verhinderst du mit einem Pflock oder einer anderen Stützvorrichtung. 

Bereite den nährstoffhungrigen Tomatillos ein mit Kompost und Startdünger versorgtes Beet und bringe nach der Pflanzung eine dicke Mulchschicht aus Stroh oder Miscanthus aus. Versorgen sie zwischen Juni und August alle 2-3 Wochen mit Bio-Dünger oder Brennnesseljauche.  Gießen sparsam und nur dann, wenn die Erde bereits trocken ist, da die Pflanzen bei zu viel Bewässerung zu Fäulnis neigen.Nach der Befruchtung wachsen die Früchte in lampionartigen Hüllen, die sie vor Insekten oder Schäden durch Wind und Wetter schützen. Sobald die Hüllen braun werden und aufspringen, sind die Tomatillos reif. Pflücke sie einfach mit einer leichten Drehbewegung, bis sie sich von der Pflanze lösen. Der Erntezeitraum liegt zwischen Juli und September/Oktober, da die Pflanzen – ähnlich wie Tomaten – laufend blühen und fruchten.

Verwendung

Tomatillos schmecken süß-säuerlich und können sowohl roh als auch gekocht verzehrt werden. Braten oder Garen verleiht ihnen ein besonders bekömmliches Aroma. In der mexikanischen Küche sind sie eine Hauptzutat der berühmten Salsa verde.

Andenbeere (Erdkirsche)

Gehört zur Familie der Nachtschattengewächse

Herkunft und Ausbreitung

Wie ihr Name verrät, liegt die Heimat der Andenbeeren in den Ländern der Andenregion wie Peru, Ecuador, Kolumbien und Venezuela. Während der Kolonialzeit nahmen Seefahrer die Andenbeeren aufgrund ihres hohen Vitamin-C Gehalts als Heilmittel gegen Skorbut auf den langen Seeweg mit und brachten sie bis ans Kap der guten Hoffnung in Südafrika. Von dort wurden die Früchte weiter nach Australien, Asien und schließlich nach Südeuropa verbreitet. 

Anbau, Pflege und Ernte

Optimale Keimbedingungen liegen bei 25-30° C, mit der Vorzucht beginnst du Ende Februar, Anfang März. Einfacher ist es, wenn du Jungpflanzen direkt ins Freie setzt. Sie kommen Mitte/ Ende Mai im Abstand von mindestens 80 x 80 cm ins Beet oder als Einzelpflanze in einen großen Topf. 

Als Starkzehrer brauchen Physalis einen nährstoffhaltigen, mit Kompost angereicherten Boden. Etwas Bio-Dünger im Pflanzloch sorgt für einen guten Start im Freien, im Hochsommer fördert regelmäßiges Düngen (alle 2-3 Wochen) den Blüten- und Fruchtansatz. Bedecke den Boden unmittelbar nach der Pflanzung mit Mulch aus Stroh oder Miscanthus. Das hält die „Füße“ der Andenbeeren warm und die Erde feucht. 

Die Andenbeere ist eine aufstrebende, ausladend wachsende Pflanze. Ihre Seitenzweige neigen dazu, sich auf die Seite zu biegen und bei großem Fruchtbehang abzubrechen. Stelle der Pflanze einige Stöcke zum Anbinden zur Verfügung. 

Der Wasserbedarf ist während der Blütenbildung und in der Zeit des Fruchtansatzes am größten. Je heißer es ist, umso mehr Wasser brauchen die Andenbeeren. Gieße vor allem im Sommer regelmäßig, die Erde sollte nie ganz austrocknen. 

Im Sommer entstehen an den Pflanzen wunderschöne, gelbe Blüten mit schwarzem Zentrum. Nach der Befruchtung wachsen die Früchte in lampionförmigen Hüllen heran. Die Früchte sind unreif grün und bei Reife gelb-orange. Die zuerst noch grünen Hüllen werden hellbraun und pergamentartig, manche springen auf. Schneide die Früchte samt den Hüllen am Fruchtstiel ab und löse sie mit einer sanften Drehbewegung aus den Lampions.

Verwendung

Andenbeeren schmecken süß-säuerlich und können roh, gebraten oder geschmort verzehrt werden. Sie eignen sich sowohl als Gemüse als auch als Obst. 

Melothria (Mexikanische Minigurke)

Gehört zur Familie der Kürbisgewächse

Herkunft und Ausbreitung

Das ursprüngliche Wachstumsgebiet der Melothria erstreckt sich von Mexiko bis nach Venezuela, erfasst also ganz Mitteamerika und den Norden Südamerikas. Nach Europa kam die mexikanische Minigurke wie viele andere Kulturpflanzen über Expeditionen und Handelsreisende. Allerdings wurde sie nie kommerziell verwendet, sondern in botanischen Gärten und Raritätensammlungen aufbewahrt. Erste heute hält sie als Besonderheit Einzug in unsere Gärten, auch weil sie unter den geänderten Klimabedingungen besser wächst.

Anbau, Pflege und Ernte

Säe Melothria-Samen zwischen Mitte März und Mitte April im Haus oder Gewächshaus einzeln in Töpfchen. Bei Temperaturen zwischen 22-25° C keimen sie am besten, zudem benötigen sie gleichmäßige und hohe Luftfeuchtigkeit. Setze die Mini-Gurken Mitte/Ende Mai als Jungpflanzen ins Garten- oder Hochbeet. Pflanzabstand mindestens 40 x 40 cm – besser sind 50 x 50 cm. 

Da die Melothria in ihrer Heimat im Wald bzw. am Waldrand wächst, kommt sie gut mit halbschattigen Standorten zurecht, fühlt sich aber auch in der Sonne wohl. Als typisches Kürbisgewächs benötigt sie ein nährstoffreiches Beet, ideal ist das Hochbeet oder ein Platz neben dem Kompost. Wichtig ist lockere, gut durchlüftete Erde. 

Dünge im Sommer etwa alle 2-3 Wochen mit gutem Bio-Dünger und bedecke die Erde nach der Pflanzung mit einer dicken Mulchschicht aus Stroh oder Miscanthus. Lege im Mai ab den Abendstunden ein Vlies über die Mini-Gurke, da sie sehr kälte- und frostempfindlich ist. 

Mit Hilfe von Ranken klettert die Pflanzen nach oben. Stelle ihr ein Rankgerüst oder ein Rankgitter zur Verfügung. Achte darauf, dass die Sprossen nicht zu dick oder rutschig sind. Ideal ist ein Ranknetz aus Jute oder anderem griffigen Material. 

Melothria sind sehr durstige Pflanzen, gieße sie regelmäßig und lasse die Erde nie austrocknen. 

Bereits wenige Wochen nach der Aussaat erscheinen die ersten Blüten. Sie sind zart-gelb. Es gibt weibliche und männliche Blüten, die Bestäubung erfolgt durch Insekten. Bald danach bilden sich die Früchte, die nach etwa 2 Wochen schon erntereif sind. 

Ernte die Minigurken, wenn sie sich sehr leicht pflücken lassen oder bereits von der Pflanze abfallen. 

Verwendung

Melothria sind etwas größer als Weintrauben und geschmacklich eine Kombination aus saurer Gurke und Wassermelone. Sie schmecken sehr erfrischend. Verwende sie direkt als Naschfrucht oder als Zugabe in Cocktails oder (Frucht-)Salate. 

Bunte Karotten

Gehören zur Familie der Doldenblüter

Herkunft und Ausbreitung

Die landläufig bekannten orangen Karotten wurden vermutlich in den Niederlanden gezüchtet und verbreiteten sich erst im 18. Jahrhundert. Viel länger in Verwendung sind die Urformen der Karotte und das in den buntesten Farben. Weiße Karotten stammen aus dem Mittelmeerraum, gelbe und violett-rote aus dem heutigen Afghanistan. Die Verbreitung erfolgte über den Iran ins antike Griechenland und Rom und von dort nach ganz Europa. In alten Klosterschriften sind zwar einige Verwendungen und Heilwirkungen der Karotte beschrieben, allerdings ist selten klar, um welche Karottenform es sich handelt und inwiefern die heimische Pastinake gemeint war.

Anbau, Pflege und Ernte

Karotten anzubauen ist fast schon etwas für Fortgeschrittene. Trotz ihrer feinen Samen benötigen sie bei der Aussaat ausreichend Abstand, damit du später weniger pikieren musst. Praktischer und mit Geling-Garantie sind Saatbänder. Dabei sind die Karottensamen bereits im richtigen Abstand in ein Papierband eingebettet.

Lege das Saatband zwischen März und Juni etwa 1 cm tief in den Boden. Säe Samen sehr dünn aus, dann musst du sie später weniger vereinzeln. Abstand zwischen den Reihen: 25 cm. Zum Keimen brauchen Karotten 10-20° C. Allerdings dauert es einige Zeit, bis du die ersten Pflänzchen sprießen siehst – denn Karotten benötigen 2-3 Wochen, bis sie zu keimen beginnen. Streue einige Dillsamen in die Karottenreihen, um diese zu markieren. Dille harmoniert in Mischkultur sehr gut und stört die Karotten später nicht, da sie sehr dünn und filigran wächst. 

Karotten brauchen einen lockeren, tiefgründigen Boden, damit ihre Wurzeln ungestört in die Tiefe wachsen können. Stoßen sie auf einen Stein oder eine Verdichtung, wachsen sie krumm oder spalten sich, es entstehen zweibeinige Karotten. Die besten Voraussetzungen finden sie in einem locker befüllten Hochbeet. 

Als Dünger genügt ein mit Kompost aufbereitetes Beet, im Verlauf der Saison freuen sich die Pflanzen über eine einmalige Düngergabe (z.B. Brennnesseljauche oder Bio-Flüssigdünger). Gieße regelmäßig und tiefgründig, sonst werden die Karotten holzig. Früh gesäte Karotten erntest du im Juni/Juli, später gesäte können bis in den Herbst und Winter hinein geerntet werden. Da Karotten relativ frostfest sind, sind sie auch ein wunderbares Wintergemüse.

Verwendung

Bunte Karotten überzeugen nicht nur optisch, sondern auch geschmacklich. 

Weiße Karotten: Sorte ‚Blanche de Küttingen‘: mild, würzig. Ideal für Suppen, Brei, Mischgemüse und Salate.

Gelbe Karotten: Sorte ‚Jaune du doubs‘: geschmacklich etwas kräftiger als orange Karotten. Passen in Suppen und Eintöpfe.

Violette Karotten:  Sorte ‚Gniff‘: knackig, süß, saftig. Ideal zum Snacken, als Rohkost und Gemüsebeilage. Violette Karotten enthalten Anthocyane, einen sekundären Pflanzeninhaltsstoff, der sich positiv auf Herz und Gefäße auswirkt. 

Mairübe

Gehört zur Familie der Kohlgewächse

Herkunft und Ausbreitung

Die Ursprünge der Mairübe liegen vermutlich im Mittelmeerraum, sie gelangte jedoch bereits in der Antike nach Europa. In unseren Breiten war sie lange ein wichtiges Grundnahrungsmittel, bis sie durch die Einführung der Kartoffeln ab dem 18. Jahrhundert nach und nach verdrängt wurde. Heute erfreut sich die Mairübe neuer Beliebtheit, sowohl im Garten als auch in der Küche. 

Anbau, Pflege und Ernte

Mairüben zählen im Garten zu den unkompliziertesten Raritäten. Säe die kleinen Samen im Abstand von 8-10 cm in eine 1-2 cm tiefe Rille und decke sie anschließend mit Erde ab. Zwischen den Reihen brauchen Mairüben einen Abstand von 25-30 cm. Je nach Temperatur keimen die Samen im Verlauf von 5-10 Tagen, die Keimung beginnt ab 5° C. Die Aussaat ist von Frühlingsbeginn bis in den Spätsommer möglich. 

Mairüben wachsen auf sonnigem und halbschattigem Standort. Der Boden sollte locker und humusreich sein. Etwas Kompost zu Beginn reicht als Düngung vollkommen aus. 

Gieße regelmäßig, denn durstige Mairüben werden entweder hohl oder holzig. Wie alle anderen Kohlgewächse ziehen Mairüben zahlreiche Schädlinge an, z.B. Erdflöhe, Kohltriebrüssler oder Kohlweißlinge. Decke das Beet spätestens, wenn die ersten Keimlinge aus der Erde lugen, mit einem Vlies oder Insektennetz ab. Dieses sperrt alle gefräßigen Tierchen aus. Mairüben wachsen sehr schnell, schon 6-8 Wochen nach der Aussaat sind sie erntereif. Die französische Sorte ‚Blanc globe à collet violet‘ ist besonders zart und besticht auch optisch mit ihrer weiß-violetten Färbung.

Verwendung

Mairüben schmecken mild, leicht süßlich und würzig – etwa wie eine Kombination aus Rettich und Kohlrabi. Sie können vielseitig verwendet werden, z.B. roh als Salat oder Rohkost, gedünstet als Beilage, in Eintöpfen oder als Suppe. Sogar die jungen Blätter sind essbar, entweder als Salat oder gedünstet wie Spinat.  

Fazit

Die fünf vorgestellten Gemüsearten zeigen dir, wie vielfältig, spannend und geschmackvoll der eigene Garten oder Balkon sein kann – weit entfernt von der Eintönigkeit des Supermarkts und um Welten günstiger! Sei mutig, und probiere jedes Jahr ein neues Gemüse oder eine neue Sorte aus und entdecke auf diese Weise unbekannt Geschmackserlebnisse!

Text: @Doris DI Kampas