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Wintergemüse: im September anbauen – im Winter ernten

verfasst von DI Doris Kampas am 2. September 2020
in Gartenjahr, Gartentipps, September
DI Doris Kampas

Der Sommer geht in seine letzte Etappe. Verspürst du bei der Ernte der letzten Tomaten, Paprika und Zucchini etwas Wehmut und bereits Sehnsucht nach dem nächsten Frühling? Du freust dich jetzt schon auf das erste frische Grün im nächsten Jahr? Sage der langen Wartezeit einfach Adieu. Denn mit dem Anbau von Wintergemüse musst du auch in den kalten Monaten nicht mehr auf üppige Beete und frische Vitamine vor der Haustüre verzichten.

Der Anbau von Wintergemüse klappt ganz einfach und ohne große Hexerei. Im Gegenteil – er hat gegenüber dem Frühlings- und Sommeranbau sogar einige unschlagbare Vorteile:

  • Schnecken, Raupen, Blattläuse und andere Schädlinge verenden oder verabschieden sich in den Winterschlaf. Über grobe (Fraß-)Schäden am Wintergemüse brauchst du dir keine Sorgen zu machen.
  • Viele Pflanzen kommen mit den kühleren Temperaturen sogar besser zurecht als an heißen Sommertagen.
  • Wintergemüse benötigt natürlich ausreichend Wasser, allerdings musst du aufgrund der kühleren und feuchteren Tage im Herbst weniger Gießen.
  • Geschmacksvielfalt und Frische im Winter erreichst du am besten mit dem eigenen Anbau von Wintergemüse. Eine gute Methode also, um der Eintönigkeit im Supermarkt zu entkommen.
freundliches Grün im sonst kahlen Dezember gibt es über den Dächern Wiens

So klappt es mit dem Anbau von Wintergemüse

Vorbereitung

Die meisten Wintergemüsesorten benötigen nicht allzu viele Nährstoffe. Etwas frische Erde oder abgelegter Kompost auf die abgeernteten Sommerbeete genügt vollkommen. Wenn du glückliche/r Besitzer/in eines Hochbeetes bist, ist dieses ideal für den Anbau von Wintergemüse. Denn das Gemüse wird im Hochbeet vor eisigen Winden geschützt. Zudem sorgen die Hochbeet Befüllung und die Wände für einen Ausgleich allzu starker Temperaturschwankungen.

Anbau

Anfang bis Mitte September, in milden Regionen sogar noch bis Ende September ist der beste Zeitpunkt für den Anbau von Wintergemüse. Die Temperaturen sind noch warm genug, damit die Pflanzen keimen und wachsen können.  Wintergemüse säst du am besten direkt aus. Beachte dabei die auf der Packung angegebenen Reihenabstände – dann hat das Gemüse ausreichend Platz für seine Entwicklung. Mehrere Wintergemüse-Arten, z.B. Salate oder Kresse sind Lichtkeimer. Drücke die Samen bei der Saat nur leicht an, bedecke sie aber nicht mit Erde.

Achtung Lichtkeimer: drücke bei der Aussaat die Samen nur leicht fest, damit sie genug Licht zum keimen bekommen

Falls du lieber Pflänzchen setzt, musst du etwa 3 Wochen zuvor mit der Vorzucht beginnen – also etwa Mitte/Ende August. Gieße Samen oder Pflänzchen gut an und halte das Beet stets feucht, bis sich etwas kräftigere Pflanzen entwickelt haben.

Pflege und Kälteschutz

Wintergemüse benötigt keine zusätzliche Düngung – im Gegenteil, du würdest die Pflanzen sogar schwächen. Denn mit kürzer werdenden Tagen verbrauchen die Pflanzen immer weniger Nährstoffe und wären durch den Überschuss anfälliger gegen Pilzkrankheiten und anderen Keimen.

Vereinzle Kopf bildende Pflanzen, also z.B. Kopf- oder Eisbergsalate. Viele Wintergemüsearten wachsen jedoch als Pflücksalate oder Pflückgemüse. Hierzu zählen z.B. Spinate, Feldsalat, Pflücksalate oder Asia Salate. Es genügt, wenn du zu dicht stehende Pflanzen etwas auslichtest.

Tipp:

Verwerte die ausgezupften Blättchen von Salat, Radieschen und Co als frisches Grün für einen Salat oder aufs Butterbrot.

Mit sinkenden Temperaturen benötigt dein Wintergemüse einen Kälteschutz. Hochbeet Gärtner/innen haben einen kleinen Vorteil, sie verwenden einfach einen Frühbeet-Aufsatz zum Abdecken.  Gut geeignet ist aber auch ein mobiler Frühbeet-Kasten, den du übers Wintergemüse stellst.

Dream Team: Hochbeet mit Frühbeet-Abdeckung hält das Gemüse warm.

In milderen Wintern schützt ein Gartenvlies oder Klimanetz das Gemüse vor leichten Frösten. Sie sind luft- und winddurchlässig, du musst also nicht lüften und ersparst dir bei Regen das Gießen. Allerdings besteht die Gefahr, dass das Gemüse bei zu feuchter Witterung unter dem Vlies zu schimmeln beginnt. Steige dann besser auf eine „dichte“ Abdeckung (z.B. mit Stegplatten) um.

Dream Team: Hochbeet mit Frühbeet-Abdeckung hält das Gemüse warm.

Ernte

Viele Wintergemüsearten halten Temperaturen von -10° C bis sogar -15 oder -20° C aus. Du musst also nicht sofort ernten, wenn das Gemüse ausgewachsen ist. Es kann je nach Bedarf und Sorte sogar bis in den Februar/März im Beet bleiben.

Tipp: ernte Blattgemüse blattweise

Zupfe von Pflückgemüse wie Asia Salat, Pflücksalat, Rucola oder Spinat nur die äußeren Blätter ab und lass das Herz der Pflanze stehen. Dann treibt das Gemüse laufend nach und versorgt dich den ganzen Winter hindurch mit frischen Blättern.

Die besten Gemüse-Arten und Sorten für die üppige Winterernte

Die beste Vorbereitung und Pflege nutzt nichts, wenn du dich für die falschen Gemüsearten und –Sorten entscheidest. Denn nicht jede Gemüseart ist winterfest und auch zwischen den Sorten gibt es große Unterschiede. Sommersalate kommen kaum mit Minusgraden zurecht, klassische Wintersalate hingegen halten einige Grad unter null gut aus.

Die Klassiker

Diese Gemüsearten sind seit Gärtnergenerationen beliebt und kommen problemlos durch Eis und Schnee.

Feldsalat ist in Österreich auch als Vogerlsalat bekannt. Sein knackiger, nussiger Geschmack macht ihn beliebt für Mischsalate – hervorragend schmeckt er in Kombination mit Kartoffelsalat. Feldsalat übersteht den Winter auch unter einer Schneedecke. Lasse für den Frühling einige Pflanzen stehen, dann samt sich der Salat selbst aus.
Sortentipp: Verte a coeur plein 2 oder Verte de Cambrai

Feldsalat: klassischer und beliebter Weihnachtssalat

Auch Spinat zählt zu den Wintergemüse-Klassikern. Baue ihn für die Ernte ab November Anfang bis Mitte September an. Bei einer Aussaat im Oktober oder November treibt er zeitig im Frühling aus und versorgt dich ab April mit seinen grünen Blättern. Spinat überwintert ohne Probleme. Eine besonders wuchsfreudige Wintersorte ist „Winterriesen“.

Spinat überseht ohne Probleme jeden frostigen Winter

Salate für jeden Geschmack

Salate gibt es auch für den Winter in großer Vielfalt. Ausgezeichnete, winterfeste Kopfsalatsorten sind z.B. Wintermarie oder Merveille des quatre saisons. Letzteres kannst du – wie sein Name schon verrät, zu nahezu jeder Jahreszeit anbauen – er ist sehr robust und widerstandsfähig.

Gut für den Winteranbau geeignet ist der Eissalat Grazer Krauthäuptel 2. Seine knackigen Blätter machen ihn besonders beliebt.

Meine persönlichen Favoriten sind Pflücksalate. Sie sind einfach anzubauen und bedürfen keines besonderen Pflegeaufwandes. Säe sie einfach dünn in der Reihe aus. Die Blätter kannst du später nach Bedarf einzeln ernten, Pflücksalat treibt vom Herz aus immer neue Blätter nach. Attraktive Sorten sind Pflücksalat „Till“ und „Lollo Bionda“.

Zu den Zichoriensalaten gehört Endiviensalat ebenso wie Zuckerhut. Die bittere Geschmacksnote beider Salate milderst du ab, indem du sie nach der Ernte einige Zeit in lauwarmes Wasser legst. Während Endiviensalat (Sortentipp: „Wallone“) sich bei einem Anbau bis Mitte September noch gut entwickelt, solltest du den Zuckerhut bereits vorgezogen haben. Für Mini-Zuckerhüte passt die Anbauzeit Anfang September aber noch gut.

Einmal etwas ausgefallener

Wenn dir Salat mit der Zeit zu eintönig wird, dann greif doch auf etwas ausgefalleneres Wintergemüse zurück. Davon gibt es gar nicht so wenig.
Nicht nur roh genießen, sondern auch in der Pfanne brutzeln lassen sich die Asia Salate Purple frills und Pak choi.
Asia Salate sind ohnedies das robusteste Wintergemüse mit einer Kältetoleranz bis -15° C.

Pak Choi ist ein mildes Asia-Gemüse: schmeckt hervorragend gedünstet mit Sesamöl und Knoblauch

Während rote Radieschen der beste erste Frühlingssnack aus dem Garten sind, passt zum Winter das Radieschen Eiszapfen. Dieses längliche, schneeweiße Radieschen ist nicht nur roh ein Genuss, sondern auch gedünstet eine ideale Ergänzung zu vielen vegetarischen oder Fleisch-Gerichten. In milden Wintern kann das Radieschen bis zum Frühling im (abgedeckten) Beet stehen bleiben, vor zu starken Frösten solltest du es allerdings ernten.

Radieschen Eiszapfen: knackig Frisch mitten im Winter

Und wie wär´s mit einer bunten Ergänzung zum Salat? Rote Rüben werden zwar beim Anbau im September nicht mehr reif, aber die jungen Blätter sind eine hervorragende Ergänzung für alle Wintersalate.

Kältetoleranter als Gartenkresse ist Winterkresse, auch bekannt unter dem Namen Barbarakraut. Sie eignet sich für Aufstriche, als schmackhafte Salatbeigabe oder zu Suppen. Winterkresse ist reich an Vitaminen und Nährstoffen.

Der üppigen Winterernte steht nichts im Weg, wenn du ein paar wenige „Regeln“ beachtest:

am wichtigsten ist die Auswahl der richtigen Gemüsearten und –Sorten.
Säe diese rechtzeitig aus – also bis spätestens Ende September – und schütze das Gemüse in den Nächten und an frostigen Tagen mit einem Frühbeet oder Vlies.

Beitrag: DI Doris Kampas
Fotocredits: bio-garten

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