Wörter wie pikieren, ausgeizen, Keimblätter oder samenfest sausen dir in Büchern, Gartenzeitschriften oder YouTube-Videos um die Ohren. Zu Hause stehst du dann mit einem großen Fragezeichen auf der Stirn vor deinen Pflanzen und fragst dich: Was hat das alles zu bedeuten? Unser Garten-ABC hilft dir weiter. Hier findest du die 25 häufigsten Begriffe aus dem Gartenreich samt ihrer Bedeutung – und wo nötig auch mit einer kleinen Anleitung für die praktische Umsetzung.
AUSGEIZEN
Bei Tomaten wachsen zwischen Haupttrieb (dem Stängel der Pflanze) und den Blättern zusätzliche Seitentriebe. Sie entspringen schräg aus den Blattachseln. Da Tomatenpflanzenviel Energie in die Entwicklung dieser Triebe stecken, werden erst später und insgesamt weniger Früchte gebildet. Ausgeizen ist das Entfernen dieser Seitentriebe, damit die Energie der Pflanze in die Fruchtentwicklung fließt. Das geht ganz leicht: knipse die noch jungen Seitentriebe einfach mit den Fingern ab. Verwende bei größeren Trieben sicherheitshalber eine Gartenschere, um die Tomatenpflanze nicht zu verletzen.
BIO
Bio ist der vollkommene Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und mineralische Dünger. Bio-Samen sind also schon bei ihrer Herstellung absolut „giftfrei“. Das ist wichtig, da chemische Substanzen über die Pflanze bis ins Saatgut gelangen können und dadurch die angebaute Pflanze nicht mehr „bio“ ist.
BEIKRÄUTER
Früher als Unkräuter bezeichnet, ist der Blick auf Beikräuter heute etwas geradegerückt. Manche Beikräuter im Gemüsebeet wie Quecke oder Giersch sind nach wie vor lästig und eine zu starke Konkurrenz für unsere Pflanzen. Andere ehemalige Unkräuter wie z.B. der Löwenzahn, sind hingegen zu einem wichtigen Beikraut geworden, das Bienen und Co anlockt und sogar in den Salat passt.
DIREKTSAAT
Bei der Direktsaat säst du die Samen an Ort und Stelle ins Beet. Sie keimen, wachsen und verweilen ihr ganzes Pflanzenleben lang am selben Platz.

DUNKELKEIMER
Die meisten Samen keimen im Dunkeln, müssen also mit Erde bedeckt sein. Dazu säst du sie in der auf der Packung angegeben Saattiefe und bedeckst sie anschließend mit Erde. Die meisten Gemüse- und Blumensamen sind Dunkelkeimer. Ihr Pedant sind Lichtkeimer (siehe unten).
EISHEILIGE
Servatius, Pankratius, Bonifatius und die kalte Sophie sind bei allen Gärtner:innen dick im Kalender eingetragen. Ihre Feiertage beginnen am 12. Mai und enden am 15. Mai. Alle Heiligen zusammen ergeben die Eisheiligen. Langjährigen Beobachtungen zufolge finden an diesen Tagen die letzten Nachtfröste statt. Danach dürfen kältempfindliche Gemüse und Kräuter ins Freie gesetzt werden.
FRUCHTFOLGE
Ist die zeitliche Aufeinanderfolge verschiedener Gemüsekulturen auf derselben Fläche. Das kann innerhalb eines Jahres sein oder im Verlauf mehrerer Jahre. Zum Beispiel baust du im selben Beet zuerst Salat an und nach der Ernte Paprika. Im Verlauf mehrere Jahre baust du in einem Beet im 1. Jahr beispielsweise Zucchini, im 2. Jahr Sellerie und im 3. Jahr Bohnen an.
GEMÜSEART UND GEMÜSESORTE
Diese Begriffe werden oft durcheinandergebracht und sind deshalb hier in einem Punkt zusammengefasst. Gemüseart bezeichnet das Gemüse selbst, also z.B. Radieschen, Salat, Gurke, Paprika oder Brokkoli. Die Gemüsesorte ist eine Varietät innerhalb einer Gemüseart mit ihren sortentypischen Eigenschaften. Die Gemüseart ist z.B. Paprika und die Gemüsesorten sind etwa `Roter Augsburger` oder `Yolo Wonder`.
GRÜNDÜNGUNG
Gründünungen sind Pflanzen, die den Boden lockern, ihn mit Nährstoffen anreichern und den folgenden Kulturpflanzen ein gut aufbereitetes Beet hinterlassen. Typische Gründünger sind Gelbsenf, Phacelia, Weißklee, Rotklee, Buchweizen aber auch Spinat und Erbse.
HAUPTKULTUR (LEITKULTUR)
In der Mischkultur ist die Hauptkultur jene Pflanze, die das Beet am längsten besetzt und den meisten Platz einnimmt. Eine typische Hauptkultur ist die Tomate, um die herum du die restliche Bepflanzung planst. Siehe auch Nachkultur und Vorkultur.
KEIMBLÄTTER
Die Keimblätter sind die ersten Blätter, die ein Pflanze zeigt, wenn sie aus dem Samenkorn kommt. Die meisten Pflanzen haben zwei Keimblätter, weniger Pflanzen nur eines, z.B. Gräser, Mais oder Zwiebel. Die Keimblätter unterscheiden sich deutlich von den späteren Blättern. Das geübte Auge kann jedoch anhand der Keimblätter zumindest die Pflanzenfamilie erkennen. Brokkoli, Kohl, Radieschen und Rucola, alles Kreuzblütengewächse, identifizierst du etwa anhand ihrer beiden herzförmigen Keimblätter.
LICHTKEIMER
Manche Samen brauchen als Anreiz zur Keimung Licht. Dazu gehören: Basilikum, Bohnenkraut, Kresse, Kümmel, Majoran, alle Salate, Sellerie und Thymian. Säe die Samen direkt auf die Erde und drücke sie vorsichtig mit dem Handrücken fest. Gieße sie vorsichtig mit einem schwachen Brausestrahl, damit sie nicht verschlämmen.
MISCHKULTUR
Mischkultur ist das zeitgleiche Zusammenpflanzen verschiedener Gemüsearten, Kräuter und Blumen. In der Mischkultur sind die verschiedenen Pflanzen sorgfältig aufeinander abgestimmt, um sich gegenseitig zu fördern. Sie schützen sich durch Geruch und Wurzelausscheidungen vor Schädlingen, nutzen Nährstoffe unterschiedlich aus und strecken ihre Wurzeln in verschiedene Bodentiefen. Bohnen haben in der Mischkultur eine besondere Bedeutung. Sie binden Stickstoff aus der Luft und versorgen damit ihre „Beetpartner“.
MITTELZEHRER
Gemüse mit mittlerem Nährstoffbedarf. Bereite das (Hoch)-Beet mit frischem Kompost auf und versorge das Gemüse 1-2 x in der Saison mit einem guten Bio-Dünger. Zu den Mittelzehrern gehören: Mangold, rote Rübe, Karotte, Pastinake, Wurzelpetersilie, Asia-Gemüse, Kohlrabi, Rettich, Zwiebel, Lauch, Salat. Siehe auch Schwach- und Starkzehrer.
MULCHEN
Mulchen ist das Bedecken des Bodens, das zugehörige Material nennt man Mulch. Mulchen gewinnt unter den geänderten Klimabedingungen immer mehr an Bedeutung, da es den Boden vor Austrocknung oder Starkregen schützt. Die Mulchmaterialien sind vielfältig. Der bekannte Rindenmulch passt unter Thujen, aber nichts ins Gemüse-, Stauden- oder Blumenbeet. Dort sind Laub, Gras, kleingehäckseltes Stroh oder Miscanthus-Mulch die bessere Wahl.

NACHKULTUR
Wenn die Hauptkultur geerntet ist und ein Platz im Gemüsebeet frei wird, baust du die Nachkultur an. Das erfolgt etwa zwischen Ende August und Ende September. Die Nachkulturpflanzen kommen gut mit den kürzeren und kühleren Tagen im Herbst zurecht. Typische Vertreter sind Spinat, Feldsalat, Pflücksalat, Asia-Gemüse und Radieschen.
NÜTZLINGE
So manches kleine Insekt ist ein nützliches Helferlein in unserem Garten und wird daher als Nützling bezeichnet. Marienkäfer verschlingen Blattläuse, Schlupfwespen befallen die Brut der grünen Reiswanze und Florfliegen machen der Weißen Fliege den Garaus. Aber auch andere Insekten sind wichtige Nützlinge. Allen voran Wild- und Honigbienen, die unser Obst und Gemüse bestäuben.

PIKIEREN
Bezeichnet das Auseinandersetzen zu eng gesäter Keimlinge in einen neuen Topf oder eine neue Saatschale. Dazu verwendest du einen Pikierstab, es klappt aber auch mit einem Löffelstiel. Pikiere, wenn sich nach den Keimblättern das erste echte Blattpaar gebildet hat. Dazu hebst du mit dem Stab oder Löffel jedes Pflänzchen einzeln aus der Erde und setzt es in einen neuen Topf um. Dort hat der Keimling mehr Platz und kann sich besser weiterentwickeln.
SAMENFEST
Die Samen von samenfesten Sorten kannst du sammeln und wieder anbauen. Die Kinderpflanzen sind den Mutterpflanzen sehr ähnlich, auch im Folgejahr erntest du die gewohnte Sorte. Das unterscheidet sie wesentlich von Hybridsaatgut – erkennbar am F1 auf der Samenpackung. Aus diesen Samen entstehen entweder keine oder nur schwache neue Pflanzen.
SCHWACHZEHRER
Gemüse mit geringem Nährstoffbedarf. Als Vorbereitung genügt etwas Kompost im (Hoch-)Beet. Zusätzlicher Dünger ist nicht notwendig. Schwachzehrer sind die meisten Kräuter (Thymian, Salbei, Oregano,…), alle Bohnen, Erbsen, Radieschen, Rucola und Feldsalat. Siehe auch Mittel- und Starkzehrer.
STARKZEHRER
Gemüse mit hohem Nährstoffbedarf. Vorbereitung des (Hoch)beetes mit viel Kompost oder Tiermist, regelmäßige Düngung während der ganzen Saison. Zu den Starkzehrer gehören: Kürbis, Gurke, Melone, Paprika, Tomate, Melanzani, Sellerie, Kohl, Kraut, Brokkoli, Kohlsprossen, Karfiol. Siehe auch Mittel- und Schwachzehrer.
VORKULTUR
Vor der Hauptkultur, die meist ab Mitte Mai angebaut wird, ist noch ausreichend Zeit für rasch wachsende Gemüsearten. Ihr Anbau erfolgt bereits im Februar oder März, ihre Ernte einige Wochen später. Typische Vorkulturen sind Salate, Spinat, Asia-Gemüse, Radieschen und Rucola.
VORZUCHT
Anders als bei der Direktsaat säst du deine Bio-Samen in einen Topf oder eine Saatschale. Das ist für alle Pflanzen sinnvoll, die eine längere Entwicklungszeit haben und warme Temperaturen brauchen. Dazu gehören etwa Tomaten, Paprika, Chili, Melanzani, Gurken und Physalis. Aber auch Kohlgewächse wie Brokkoi und Kohlsprossen gedeihen besser, wenn du sie auf der warmen Fensterbank vorziehst. Vorgezogene „Schnellentwickler“ wie Salat oder Kohlrabi sind praktisch, weil du mit ihnen rasch Ernte-Lücken neu befüllenkannst.
WINTERGEMÜSE
Wintergemüse ist Gemüse, das du im Winter, also in der Zeit von November bis Februar erntest. Aber Achtung: Wintergemüse baust du je nach Entwicklungszeit bereits im Frühling, Sommer oder Herbst an. Denn Wintergemüse braucht wie alle Pflanzen zur Keimung Licht und Wärme. Mehr über Wintergemüse findest du in unserem Blogbeitrag „DEIN FAHRPLAN ZUR WINTERERNTE: DAS BEET FÜR DIE KALTE JAHRESZEIT“.
ZÜCHTEN
Unter Züchten versteht man die Entwicklung einer neuen Pflanzensorte. Bei der Pflanzenzüchtung werden verschiedene Sorten mit bestimmten Eigenschaften miteinander gekreuzt (z.B. große rote und kleine gelbe Tomaten) und die vielversprechendsten Nachkommen weiterentwickelt (z.B. große, orange Tomaten). Bis eine neue Sorte durch Züchtung entsteht, können 10 Jahre und mehr vergehen. Oft wird Pflanzenzüchtung mit Gentechnik oder dem Anbauen von Gemüse verwechselt – hat aber mit beidem nichts zu tun.










